Intelligente Marktplätze

Forschungsthemen

Veränderte Konsum- und Mobilitätsgewohnheiten, verbunden mit dem starken Anstieg dezentral in Gewerbegebieten gelegener Supermärkte, haben zu einem starken Wandel in den Ortskernen vieler Gemeinden geführt. Zahlreiche kleinere Geschäfte und damit soziale Begegnungsorte in den Dörfern haben geschlossen. Die Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten und die damit verbundenen Orte des Alltags in den Ortsmitten sterben aus. Noch bestehender Einzelhandel arbeitet oft an der unteren Grenze der Wirtschaftlichkeit.

 

Verbunden mit dem Schwund örtlicher Versorgungsmöglichkeiten werden vor allem ältere und nicht-mobile Bürger benachteiligt, da für den Einkauf oftmals weite Strecken zurückgelegt werden müssen. Die Gemeinden verlieren an Lebensqualität und Attraktivität.

 

Eine vitale und attraktive Gemeinde braucht eine lebendige Ortsmitte, in der Menschen wohnen und Gewerbe zu Hause ist. Das Zentrum ist ein Alltagsort welcher generationenübergreifend Begegnungsmöglichkeiten und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum bietet. Es ist das Herz des Ortes und muss nicht nur unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen und Bedarfe decken, sondern auch den eigenen Charakter des Ortes spürbar machen. Die Sicherung und Rückgewinnung von Aufenthalts- und Lebensqualität, die funktionale Vielfalt sowie eine gute Erreichbarkeit sind die Grundlagen für die Vitalität des Zentrums.

 

Impulsprojekte für die Belebung der Zentren können Antrieb für die (Re)Aktivierung des Ortes und einer gemeinsam gelebten lokalen Identität sein. Das hat positive Auswirkungen auf die Angebote der Daseinsvorsorge sowie die Entwicklung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts einer Gemeinde. Mit dem Realexperiment Appholstation – Intelligente Marktplätze in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Schönbrunn und dem Ort Spechbach im Rhein-Neckar-Kreis, sowie dem Entwicklerteam von “Emmas App” haben wir die Vision, die Ortsmitten der Gemeinden und Dörfer zu reaktivieren, Nahversorgung zu sichern und die Nachbarschaft im Dorf wieder neu als soziale Gemeinschaft zu entdecken.

 

 

Vision

 

Für die Gewährleistung der Nahversorgung und die Reaktivierung sozialer Räume braucht es einen für alle zugänglichen Ort des Alltags. Als Impuls und Ort jener alltäglichen Begegnung funktioniert die Appholstation. Sie wird Pionier neuer Belebung und Frequentierung im Herz des Ortes.

 

Dort sollen nicht nur mitgebrachte Waren abgegeben und mitgenommen werden, sondern auch die Interaktion der verschiedensten Einwohner des Dorfes stattfinden. Leerstehende Strukturen werden als Chance begriffen und durch Umnutzungsprogramme mit in das Gesamtkonzept eingebunden. Um einen Ort der Begegnung und des Austauschs zu schaffen, werden in und angrenzend an die Räumlichkeiten der Appholstation weitere Aktivitäten angeboten, die den lebendigen Austausch weiter fördern. Als sogenannter Co-Working Space kann an zentraler Stelle gearbeitet oder etwa Dienstleistungen wie Musikunterricht, Krankengymnastik, Mittagstisch oder Weiterbildungskurse entgegengenommen werden, für die sonst größere Strecken in Kauf genommen werden müssten. Die Vision der Appholstation bringt neue Qualität für die Belebung und Identifikation des Ortskerns und wird zu einer Säule der örtlichen Daseinsvorsorge. Mit ihr soll ein Ort ländlicher Urbanität entstehen, welcher sich durch ein vielschichtiges Angebot aus Kreativität, Bildung und Kultur, sowie Vernetzung und Interaktion auszeichnet.

 

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Andreas Beulich