SS2018 – Valparaíso La Matriz — Qualifizierung eines produktiven Stadtteils

Entwürfe

Der Diskurs über eine inklusive Stadtentwicklung, die Qualifizierung bestehender Stadtquartiere und die Mischung von Nutzungen in urbanen Kontexten ist nicht nur in Europa, sondern weltweit und damit auch in Südamerika zu führen. Die Studierenden denken, entwerfen und diskutieren im Rahmen der vorgeschalteten Exkursion und der Sommerschule La Matriz Konzepte für die Stadt und Stadtgesellschaft, als konkrete Diskussionsbeiträge für die Verbesserung der Lebensbedingungen in zentralen und doch marginalisierten Stadtteilen. Architektur und Stadtplanung zeigen hierbei ihre Alltagsrelevanz und Bedeutung im Diskurs über die Entwicklung von Stadt als gemeinschaftlichen und inklusiven Lebensraum.

 

Im Anschluss an die Exkursion und die Sommerschule in Valparaíso sind die Entwurfsansätze in den einzelnen Hochschulen (Universität Stuttgart, Universidad Tecnica Federico Santa Maria, Universidad de Buenos Aires) in interdisziplinären Entwurfs-Studios vertieft worden. Anhand einer maßstabsübergreifenden Entwurfsanalyse im Kontext von La Matriz wurden individuelle Ansätze zur Entwicklung eines eigenständigen Konzeptes in Gruppen erarbeitet. Dabei lag der Fokus auf einer integralen Herangehensweise im näheren Umfeld des UNESCO Weltkulturerbes und der sogenannten Buffer Zone.

In den Stuttgarter Entwurfsgruppen wurde in unterschiedlichen Quartieren gearbeitet, welche sich vom Hafengebiet über die von starker Verkehrsinfrastruktur durchzogenen Ebene bis hin zu der Übergangszone um das Barrio La Matriz entwickelten. Somit konnte die gesamte Bandbreite des speziellen Kontextes in Valparaíso von der Hafenkante (El Plano) bis hin zur Avenida Alemania (Cerros) gedacht werden.

Die Eingliederung eines Konzeptes im städtebaulichen Maßstab wurde in den nächsten Schritten über den Architekturmaßstab gedacht, diskutiert und weiter entworfen. Kommend von einer übergeordneten räumlichen Strategie für die Stadt Valparaíso, entwickelten die Studierenden eine städtebauliche Setzung an von ihnen gezielt ausgewählten Orten. Eine Vertiefung erfolgte im Hinblick auf ein urban gedachtes Quartier, einer kontextuell angepassten programmatischen Diversität und insbesondere des Wohnbaus mit starkem Bezug zu den eigenständigen Blockkubaturen, welche neue Grundrisstypologien erforderten.

Arbeiten der Studierenden:

Katharina Wackler und Phaea Korycik

 

Der Ursprung Valparaísos liegt am Hafen. Bis zur Eröffnung des Panama-Kanals war dieser der wichtigste Umschlagort Süd- und dem Westen Nordamerikas. Durch den rückläufigen Schifffahrtsbetrieb hat der historische Kern La Matriz an Bedeutung verloren. Leerstand und Brachflächen ergänzen den vernachlässigten Eindruck des Stadtteils.

Der Entwurf setzt am Wasser einen Impuls und stärkt die Angliederung an den Stadtteil mit einer Transformation der Uferkante und der Öffnung des aktuell geschlossenen Hafengebietes.

Der Hafen erhält ein baulich manifestiertes Gegenüber, wovon beide Seiten profitieren. Das entstehende Mischgebiet bleibt dem rauen, einfachen Hafencharakter treu. Auf den drei neu entwickelten Baufeldern wird das Wohnen mit den für die Stadt typischen Erdgeschossnutzungen kombiniert und unterschiedliche Raumangebote ermöglichen eine bunte Mischung – von kleinen Werkstätten bis hin zum Zeitungskiosk oder Obsthändler.

Die ausgearbeitete Gebäudetypologie ist eine Neuinterpretation der für Valparaíso typischen Blockbebauung von circa 30x30m. Um mit der großen Tiefe des Gebäudes umzugehen und eine ausreichende Belichtung zu ermöglichen, arbeitet der Entwurf mit einer Kombination aus Lichtschächten und Erschließungsplattformen und bietet zudem die Möglichkeit mit differenzierten Haushaltsgrößen umzugehen. An der prominenten, dem Wasser zugewandten Fassade, befindet sich ein Gemeinschaftsraum, der für alle Bewohner zugänglich ist und das für Valparaíso einmalige Hafengebiet im Stadtzentrum für eine weitere Entwicklung in den Fokus rückt.

Anna-Lea Rohrbach, Lisa Schmidt und Julian Lipp

Auf der städtebaulichen Ebene ist Valparaíso nach verheerenden Naturereignissen wie partiellen Bränden, Tsunamis und Erdbeben als Patchwork zu sehen.

Das Entwurfskonzept besteht darin, La Matriz als zentralen Flicken zu betrachten, von welchem aus sich die Stadt in die Cerros hinauf entwickelt hat.

Die Setzung in diesem Bereich soll die Verbindungen in die anderen Quartiere stärken und durch die gedachte Richtung vom Berg ins Tal, erhält diese erstmals eine Aufmerksamkeit durch die Stärkung der Gebäuderückseiten.

Auf der Quartiersebene betrachtet der Entwurf die Verbindungen zwischen öffentlichen Räumen durch Erweiterung der bestehenden Platzabfolge. Dem Netzwerk aus Plätzen werden neue hinzugefügt, welche die von den Hügeln kommenden Menschen in Empfang nehmen. Hierbei sind introvertierte Höfe nachbarschaftliche Verbindungsglieder dieser neuen Freiräume. Dies wird erreicht durch die Setzung neuer Bausteine in brachliegenden Flächen in einem heterogen bebauten Umfeld.

Im architektonischen Maßstab werden aus dem Motiv des Patchworks heraus verbindende räumliche Verknüpfungselemente im Wohnbau entwickelt. Dabei haben die Patiohäuser gemeinsame Eingangsbereiche, dem Laubengangtyp sind private Freibereiche angegliedert und bei den topographisch eingebundenen Townhäusern wurde mit fließenden Splitlevel eine Verbindung zum äußeren Kontext erschaffen.

 

Ines Ehrenbach und Silva Maringele

Leitidee des Entwurfs „Stadt Quartier Nachbarschaft“ ist das Ermöglichen nachbarschaftlichen Lebens im derzeit unbelebten Stadtteil La Matriz durch die Neuinterpretation der vorhandenen Baustruktur. Diese bietet derzeit durch allseitig geschlossene Blöcke kaum nachbarschaftlich nutzbare Bereiche.

Im Entwurf wird Nachbarschaft auf mehreren Ebenen ermöglicht. Die Weiterführung des Stadtboulevards schafft Verknüpfungen auf gesamtstädtischer Ebene, die Verbindung von „Plano“ und „Cerro“ wird über eine neue, im rechten Winkel zum Stadtboulevard verlaufende, Hauptachse mit formeller und informeller Marktfunktion geschaffen. Nachbarschaft auf Quartiersebene wird durch verschiedene soziale und kulturelle Angebote gefördert. Über die Setzung der Gebäude entsteht ein Hof, der zur nachbarschaftlichen Interaktion von Haus zu Haus anregt.

Innerhalb der Gebäude werden neben stark ausdifferenzierten Wohngrundrissen gemeinschaftlich nutzbare Flächen und großzügige Erschließungsflächen mit Aufenthaltsqualität geschaffen. Sowohl herkömmliche Geschosswohnungen als auch experimentelle Wohnformen, wie Clusterwohnen und Großhaushalte sind in das neue Quartier integriert. So wird die Voraussetzung für eine soziale Mischung und für informelles Zusammentreffen der Hausbewohner ermöglicht.

Exkursion 19.-22. + 29.-31.3
Workshop 23.-28.3.2018
Location: DUC La Matriz, Valparaiso, Chile
Organisation: Universidad Tecnica Federico Santa Maria, Valparaiso, Chile
University of Stuttgart, Faculty of Architecture and Urban Planning, Stuttgart, Germany
Universidad de Buenos Aires, Facultad de Arquitectura, Posgrado lnternacional en Urbanismo, Buenos Aires, Argentina

 

Partner:

Universität Stuttgart, Institut für Wohnen und Entwerfen (IWE), Stuttgart, Germany
Prof. Dr.-lng. Thomas Jocher mit Dipl.-Ing. Sylvia Schaden
Universität Stuttgart, Städtebauinstitut (SI), Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen, Stuttgart, Germany
Prof. Dr.-lng. Martina Baum mit MA Sascha Bauer und MA Maria Schiller
Universidad Tecnica Federico Santa Maria, Departamento de Arquitectura, Valparaiso, Chile
Prof. Marcela Soto und Prof. Dr. Jorge Leon
Universidad de Buenos Aires, Facultad de Arquitectura, Posgrado lnternacional en Urbanismo, Buenos Aires, Argentina
Gast.-Prof. Markus Vogl, Walter Gropius Lehrstuhl (DAAD) mit Facundo Fernandez

Students from Stuttgart:
Ines Ehrenbach, Sabine Kastner, Phaea Korycik, Julian Lipp, Silva Maringele, Anna-Lea Rohrbach, Lisa Schmidt, Katharina Wackler

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Sascha Bauer
Maria Schiller