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WS1617 – Studio Amsterdam — Urbanes Quartier Boven het IJ

Entwürfe

Rem Koolhaas argumentierte schon im Jahr 2001 in seinem „Harvard Guide to Shopping“, dass Shopping wohl die letzte verbliebene Form einer öffentlichen Tätigkeit sei. Er erforschte dabei mit seinen Studierenden Räume, Techniken, Ideologien und Erfindungen, mit denen Shopping so drastisch zur Transformation urbaner Räume in unseren Städten beigetragen hat.

Im Wintersemester 16/17 nehmen wir das Shopping-Center „Boven´t Y“ am Buikslotermeerplein im Norden Amsterdams unter die Lupe, da der bislang vergessene Stadtteil nördlich des Flusses IJ seit Ende der Finanzkrise einem hohen Entwicklungsdruck ausgesetzt ist. Eine Investorengruppe will aufgrund der neuen Zentralität direkt an der neuen Nord-Süd-U-Bahnlinie das bestehende Shopping-Center nicht nur renovieren, sondern durch eine großmaßstäbliche Erweiterung zur größten Mall Amsterdams umbauen. Somit steht der lange Zeit unangetastete Stadtteil vor großen räumlichen, ökonomischen und sozialen Transformationsprozessen.

Aus diesem Grunde begeben wir uns auf die Suche nach den alltäglichen Dynamiken und den lokalen räumlichen Potenzialen in Amsterdam Noord, arbeiten spezifische Qualitäten des Ortes heraus und entwerfen neue Möglichkeitsräume für ein urbanes Quartier. Den wichtigen und neuen Themen einer sich stetig erneuernden europäischen Stadt soll Raum verschafft werden: den urbanen Allmenden, einer sozialen Ökonomie, einem sozialen Wohnen und Arbeiten in der Stadt, einer inkludierenden Stadt.

 

Anfang November haben wir zusammen mit lokalen Akteuren vor Ort im Shopping-Center gearbeitet:

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Lynn Mayer
Markus Vogl
Isabel Zintl

 

Studierende:
Yang, Qianzi
Bollow, Tillmann
Rückert, Stefan
Kühnle, Dominic
Schendel, Jonas
Dapperger, René
Bournigal, Pamela
Gierl, Melina
Mitchell, Leonard
Otarbayeva, Baktybala
Tolj, Emilija
Yang, Yi
Wan, Kang
Mas Verge, Iván
Schaugg, Philipp
Lillo Castanos, Adrián
Stamm, Jonas
Bhowmik, Dipayan
Silberzahn, Anne
Schauder, Pia
Özge, Yazici
Mezger, Marlene
Ahmed, Ezzat

Projekt 01: Melina Gierl und Emilija Tolj

Basierend auf einer anthropologischen Theorie des niederländischen Kulturhistorikers, Johan Huizinga, befasst sich das Projekt mit dem Homo Ludens, dem Modell eines zweckfreien, genügsamen Menschen. Zusammenfassend bezeichnet Huizinga das Spielen als das Heraustreten aus dem eigentlichen Leben in eine zeitweilige Sphäre von Aktivität mit eigener Tendenz.

Fasziniert von dem Gedanken, eine Theorie mit Wirklichkeit zu verbinden, inspirierte besonders der niederländische Künstler, Constant Nieuwenhuys, da er den Leitgedanken des Homo Ludens mit Architektur und Stadtplanung verbunden hat.

Bezogen auf das Boven Het IJ, hat uns die Ästhetik des Widerstandes fasziniert. Die Mall, als ein Ort des Arbeitens und des Konsums, bekommt einen Gegenspieler. Dieser wird durch die aneignende Leere und die Gleichzeitigkeit von Stadt und Wald geprägt.

Im niederländischen Kontext spielt die Künstlichkeit der Natur eine große Rolle. Deshalb befasst sich der Entwurf mit dem Anti Naturfetisch, der mit dem Hauptbestandteil des Spielens, der Inszenierung, gleichzusetzen ist.

In der Ausführung wurden vier verschiedene Interventionen, die den oben beschriebenen Gedanken verkäuflichen, ausgearbeitet. Dabei handelt es sich um die Linie, den Teppich, das Dach und die Struktur. Bei allen vier Varianten steht der Bewusstseinswandel der Gesellschaft im Vordergrund. Dabei soll das Individuum den Ort auf verschiedene Arten erleben – jeder darf sich darin verlieren und seine eigene Bühne finden.