Unsere Lehrhaltung gründet sich auf dem Diskurs. Das gemeinsame Arbeiten von Lehrenden und Studierenden fordert und fördert das kritische Hinterfragen unserer gebauten Umwelt und reflektierte Denken. Kollaboration mit anderen Lehrstühlen, Hochschulen und Praxispartnern sind für uns selbstverständlich. Um die gesellschaftlichen Herausforderungen an Raum kritisch zu reflektieren, braucht es Interesse, Engagement und Idealismus beidseits: von Lehrenden wie Studierenden.

Masterarbeiten

Masterarbeiten

Masterarbeit WS1819: Initiative Adapter

“An der Grenze zwischen Haus und Stadt trifft das »Drama menschlichen Bewohnens« auf die Straße, den Platz, das Quartier.”
(Tim Heide / Verena von Beckerath, Dichte als Möglichkeit, Neue Standarts – Zehn Thesen zum Wohnen)

 

Die von dynamischen Veränderungsprozessen geprägte und mit ihnen konfrontierte europäische Stadt steht durch strukturellen und demographischen Wandel vor soziologischen, architektonischen und stadtplanerischen Herausforderungen. Wohnen als Grundbedürfnis und Ausdruck der Lebensrealität des Menschen befindet sich in stetiger Wechselwirkung mit dem gesellschaftlichen Konstrukt der Stadt. Eine sich darauf beziehende, prozesshafte Stadtplanung kann auf sich stetig verändernde Bedingungen reagieren, eingehen und bedarfsorientiert gestalten. Das Projekt Adapter beschäftigt sich mit neuen Perspektiven auf das Wohnen an der Schnittstelle zu der Stadt. Die in diesem Zusammenhang entstandene Masterarbeit verfolgt eine experimentelle, realitätsbezogenen Planung und bildet die Grundlage für das Pilotprojekt einer Wohn-Zwischennutzung im Stadtraum Stuttgart.

 

DISKURS

Die erste Ausgabe des Magazins urbant untersucht die Beziehung von öffentlichem und privatem Lebensraum in der Stadt. Ausgehend von der Parabel der Stachelschweine, die versuchen die Balance zwischen sich gegenseitig wärmen ohne sich zu stechen zu finden, wird der Blick auf die Aushandlung von Nähe und Distanz gerichtet, die unser städtisches Umfeld für das Zusammenleben ermöglicht. (www.adapter-stuttgart.de/urbant)

 

EXPERIMENT
Die Arbeit ist eine Kombination aus theoretischer und praktischer Forschung, als Basis für empirische Untersuchungen. Die Präsentation ist als öffentliche Ausstellung in einer leerstehenden Ladenfläche konzipiert und öffnet somit einen neuen Blick, die Belebung des Ortes verändert dessen Wahrnehmung und bringt so neue Erkenntnisse. Zudem werden Forschungsfragen gestellt und von Adapter durchgeführte Methoden der Aktionsforschung erklärt.

 

ENTWURF

Hauptaugenmerk der Ausstellung richtet sich auf den Entwurf einer Zwischennutzung, die neue Wohnformen auf Zeit erprobt. Ein von Adapter entwickeltes Raumsystem ermöglicht die partizipative Umgestaltung von temporär leerstehenden Gewerbeflächen zu einem experimentellen gemeinschaftlichen Wohnprojekt.
Das Prinzip der Zwischennutzung wird dabei als Instrument für eine niederschwellige, prozesshafte und bedarfsnahe Stadtentwicklung untersucht.

 

> mehr Informationen zur Initiative Adapter unter www.adapter-stuttgart.de

Masterarbeit WS1819: Dorothee Limbach und Nicole Ottmann

Die heutige Stadtstruktur hat ein gesellschaftliches Problem: sie wird von zunehmender Vereinsamung eingenommen. Der Stadtmensch lebt einsam in der Masse – oder präziser: in der Masse von Einsamen. Daher beschäftigen wir uns mit der Frage, wie die Stadt wieder zu einem Ort der Gemeinschaft gestaltet werden kann. Wir stützen uns auf das urban commoning, das städtische Gemeinschaffen, um Stadt gemeinschaftlich von und mit den Anwohner*innen zu entwickeln.

 

Vielfach ist das Problem, dass potenzielle Austauschorte nicht konsumfrei sind, z.B. ein Café, indem man etwas kaufen muss, um eine Aufenthaltsberechtigung zu haben. Dieses Problem ist kapitalistisch bedingt: Die Flächen des öffentlichen Raums sind privatisiert. Daher ist ein Aufenthalt ohne Konsum, bzw. entgeltfrei nicht mehr möglich. Wir schaffen mit dieser Masterarbeit einen Ort, der inklusiv und wetterunhabhängig ist, an dem Nutzer*innen wieder eine Aufgabe bekommen und Verantwortung übernehmen können.

 

Wir haben eine Struktur geschaffen, die Menschen sich aneignen können, um sich frei zu entfalten und so zwanglos in Austausch miteinander zu treten. Die Aufgabe der Stadtplanung sollte es sein, solche Strukturen zu erstellen und ins Stadtgefüge zu implementieren. Hierfür schaffen wir ein Regelwerk, eine beispielhafte Typologie auf gesellschaftskritischer, städtebaulicher und architektonischer Ebene. Diese Typologie nennen wir Städtisches gemein(SAM)schaffen.

 

Als Pilotprojekt nutzen wir den Berliner Blücherplatz als Schnittstelle zwischen den Bezirken Mitte und Kreuzberg.

Hier soll eigentlich die neue Zentral- und Landesbibliothek entstehen. Das Problem ist, dass dieses Gebiet ein sozialer Brennpunkt ist. Ein solcher Prestigebau soll das Gebiet von Seiten der Stadt aufwerten, verdrängt dabei aber zwangsläufig die jetzigen Bewohner*innen. Diese Masterarbeit hat (Stadt-)Räume generiert, an denen Gemeinschaft entstehen kann, die durch aktive Teilhabe sowie aus der Zusammenwirkung von diversen Akteuren und deren Interessen immer wandelbar und anpassungsfähig bleiben.

Masterarbeit WS1718: Jonas Stamm - Grand Paris

Masterarbeit WS1718 - Bente Rau und Hannah Kast

Masterarbeit SS2016 - Poveglia per tutti: Jana Melber

Ausgangspunkt der Masterthesis ist die verlassene Insel Poveglia. Verortet in der venezianischen Lagune, prägen baufällige Fragmente des ehemaligen Lazaretts umgeben von wilder Vegetation ihren pittoresken Charakter. Im Zuge des Ausverkaufs Venedigs, stand die Insel im Jahr 2014 zur Versteigerung. Die Auktion war der Impuls für die Gründung des Vereines Poveglia per tutti. Die lokale Initiative setzt sich für eine nachhaltige Reaktivierung der Insel ein. In der Analyse zu Beginn der Arbeit konnte die DNA des Ortes aufgezeigt werden und in einer Fallstudie die Evolution Poveglia per tuttis von einer informellen Gruppierung hin zu einem Raumunternehmen evaluiert werden. Aufbauend auf die gewonnen Erkenntnisse, sieht der Entwurf eine Entwicklung der Insel in fünf Schritten vor, abgestimmt auf das Handlungsfeld der Bürgerinitiative. In den einzelnen Phasen [Silhouette, Kulisse, Arrangement, Ensemble und Balance] werden die räumlichen Potentiale der Insel inszeniert, über Nutzungsschwerpunkte strukturiert und durch architektonische Setzungen ergänzt. Es entstehen Freiräume für die Bürger Venedigs, die durch ein stabiles Gerüst flexibel auf deren Bedürfnisse reagieren können. Der behutsame Umgang mit dem historischen Erbe ermöglicht eine Transformation der Insel ohne den Verlust ihrer einzigartigen Atmosphäre.

 

 

Masterarbeit WS1718 - Orte der Gastlichkeit: Ann-Kathrin Ludwig und Anton Philipp

Die Masterarbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Stadt und Tourismus. Sie erörtert die Frage, wie Städte einen Tourismus integrieren können, der sowohl für Reisende als auch Bewohner der Stadt gleichermaßen positiv ist. Immer mehr Städte in Europa, wie zum Beispiel Venedig, Barcelona und auch aufstrebende Städte wie Porto haben wachsende Besucherzahlen zu verzeichnen. Anfangs profitieren viele Städte und Bewohner von den positiven Auswirkungen, welche die Gefragtheit eines Ortes mit sich bringt. Tourismus schafft Einkommen und Beschäftigung und kann so auch zur Entwicklung einer lokalen und regionalen Identität beitragen.

Es wird jedoch schnell deutlich, wie wichtig es ist, die Stadt als dauerhaft belebten, lebendigen Organismus anzusehen, welcher im ausgewogenen Verhältnis zu seinem Tourismus stehen muss. In vielen Fällen sind weder die Bewohner, noch die Strukturen der Städte auf die große Masse an Touristen vorbereitet, die auf sie einströmen.

Ein authentisches Erleben der Stadt steht für die meisten Reisenden mittlerweile im Vordergrund. Mit der wachsenden sharing economy verändern neue Konzepte wie die Vermietung von privaten Unterkünften über das Internet dieses authentische Bild zunehmend. Es wird ein neues Verständnis von Gastlichkeit definiert.

Masterarbeit SS2017 - Anna Franke und Claudia Deppe