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SS 2019 – Studio Buenos Aires

Entwürfe

EinszuEins | Architektur als Social Design in Buenos Aires

 

Von der stadträumlichen Strategie zur Realisierung eines öffentlichen Gebäudes

 

Aktuelle soziale, ökonomische und ökologische Entwicklungen stellen die gebaute Umwelt vor große Herausforderungen. Die räumlichen Disziplinen sind gefordert, nicht nur die Auswirkungen dieser Transformationsprozesse auf städtische Gefüge zu untersuchen, sondern Lösungsansätze über Disziplingrenzen hinweg zu finden.

 

Buenos Aires ist mit seinen mehr als 14 Millionen Einwohnern ein idealer Studienfall für die Auswirkungen der aktuellen Herausforderungen auf das Stadtgefüge. Insbesondere in den Vorstädten – wie der von Deindustrialisierung stark überformten Vorstadt San Martin – ist der Bedarf an räumlichen Strategien besonders hoch.

 

San Martin weißt die größte Dichte informeller Siedlungen im Großraum Buenos Aires auf, liegt am Reconquista, dem mit am stärksten verschmutzten Fluss Südamerikas, und ist Standort der größten Mülldeponie vor Ort. Die schlechten Lebensbedingungen vieler tausend Menschen, die informell im Überschwemmungsgebiet des Reconquista leben, die Kontamination durch verschmutztes Flusswassers und Mülldeponie, die fehlenden sozialen und technischen Infrastrukturen, verlangen integrale, räumliche und nachhaltige Strategien der Stadtentwicklung über die Grenzen von Disziplinen und Maßstäben hinweg.

In Kooperation zwischen dem SI / SuE, dem IRGE, dem Walter-Gropius-Lehrstuhl (DAAD) der Universität Buenos Aires und anderen lokalen Partnern wollen wir uns dieser Aufgabe widmen und neben strategischen Überlegungen auf großmaßstäblicher Ebene konkrete Konzepte für räumliche Interventionen entwickeln.

 

Eine zweiwöchige Sommerschule in Buenos Aires vor Semesterbeginn bietet die Möglichkeit, die Situation vor Ort zu erfahren und sich mit lokalen Akteuren auszutauschen.

 

 

Arbeiten der Studierenden: Malte Didrigkeit und Anna Doerrig

Der Grundgedanke unseres Entwurfs möglichst viele Nutzungen auf minimalem Raum unter zu bringen wird durch ein Regal als Grundelement umgesetzt. Durch die Konstruktion aus genormten Teilen können einfache Änderungen vorgenommen werden. Alle Verbindungen von Regalen, Träger und tragender Konstruktion werden dabei durch Schraubbolzen erreicht, welche immer ein oder 2 Latten an eine Stütze klemmen

 

Basierend auf einem Grundmodul (1500/1500) bilden die Regale eine Einheit, welche verdreifacht eine Raumeinheit bildet (1500/4500). Aneinandergereiht entstehen so zwei Riegel zwischen denen die einzelnen Räume entstehen, diese sind durch die Konstruktion eines Ständerfachwerks überdacht. Die Nutzungen der Räume werden nur durch die Aufteilung und den Inhalt der Regale bestimmt, sodass auch andere Nutzungen in den Räumen stattfinden können und sie somit maximal anpassungsfähig sind.

 

Zwischen den Räumen innerhalb des Riegels befinden sich Innenhöfe, welche die Übergänge der Raumatmosphären bilden. Die Regale als flexible Elemente können so frei geöffnet und geschlossen werden und dienen auch als Vermittler zwischen Innen und Außenraum. So kann die Setzung als erster Schritt in einer Weiterentwicklung des gesamten Viertels zu sein.

Arbeiten der Studierenden: Annika Sieblitz und Cristina Estanislao Molina

Am Rande einer der am stärksten von Armut betroffen informellen Siedlungen – oder Villa – San Martin, befindet sich ein offenes Feld. Die einzige Freifläche in der gesamten Villa. Auf dem Papier gehört das Feld einer benachbarten Fabrik. Fragt man die Bewohner, würden sie sagen, dass es zu ihnen gehört.

 

Waldemar Cubilla, Ex- Häftling, Soziologe und Einwohner von La Carcova, sah vor Jahren die Gelegenheit, diesen Freiraum zu nutzen und beschloss, die erste „Biblioteca Popular“ des Bezirks zu eröffnen. Die Biblioteca Popular La Carcova ist viel mehr als nur eine Bibliothek, sondern Anstifter des sozialen Wandels in einem Bezirk, dessen Bewohner keinen Zugang zu grundlegenden Ressourcen oder Bildung haben. Unser Entwurf knüpft an Waldemars Gedanken an und greift den Ort als Bildungscampus auf. Über den Campus verteilen sich acht Elemente mit spezifischen Atmosphären. Durch die Anordnung der Elemente ergeben sich drei Bereiche des Parque Educativo. Im Norden der Sportbereich, im Osten eine ruhige Fläche und im Westen befindet sich der Platz für das Gemeinschaftsleben der Bewohner von La Carcova.

 

La Carcova braucht weder eine traditionelle Bibliothek, noch braucht es einen traditionellen Kindergarten oder eine traditionelle Sporthalle. Es braucht flexible Räume, die sich von den engen Räumen in den Häusern der Bewohner von La Carcova unterscheiden. Orte, die Neugierde wecken und zum Austausch und zur Bewegung anregen. Unser Entwurf soll eine Vision für die freie Fläche am Rand ihrer Siedlung geben, einem Parque Educativo, von dem auch Gise und Waldemar träumen.

Arbeiten der Studierenden: Nicole Müller und Clara Scherer

Nach unserem Besuch sind uns zwei Dinge im Kopf geblieben, die vor Ort sehr präsent sind. Auf der einen Seite das Streben nach Sicherheit, oft sichtbar durch Mauern, Zäune und Gitter an den Fenstern. Auf der anderen Seite, besonders in La Carcova, der hohe Stellenwert der Gemeinschaft und der Wunsch nach Räumen für Kommunikation und Interaktion. Unser Entwurf stellt sich bewusst mit einer offenen Struktur gegen das akute Bedürfnis der Abschottung auf Grund von Sicherheit. Mit unserem Entwurf wollen wir die These aufstellen, dass Sicherheit ein Resultat aus Partizipation, Identifikation und der daraus resultierenden sozialen Kontrolle ist.

 

Um Orte dieses Miteinanders zu schaffen, wählen wir eine Setzung die einen neuen Straßenraum ausformuliert, der von unterschiedlichen öffentlichen Gebäuden bespielt wird und eine aktive Aneignung durch die Bewohner fördern soll.

 

Als ein erster Baustein wurde von uns die „Neue Bibiliothek“ konkret ausformuliert. Maximal offene Strukturen sind flexibel nutzbar und können einzeln, sowie zusammengeschaltet bespielt werden. So wird das Gebäude vielen Alltagssituationen und besonderen Anlässen gerecht und bietet sowohl für ruhigere als auch für laute und aktive Unternehmungen Platz. Durch eine einfache Konstruktion kann auch im Bauprozess ein Miteinander entstehen und das Gebäude in die Nachbarschaft integriert werden.

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut in Kooperation mit dem IRGE
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum

Markus Vogl

 

IRGE Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens

Prof. Markus Allmann

Bettina Klinge

Spela Setzen

Sebastian Wockenfuß