Stadtkur
Bachelorarbeiten
Lara Eberwein und Jule Stäbler
Ausgangspunkt des Entwurfs ist das außergewöhnlich große Mineralwasservorkommen Stuttgarts und Cannstatts Geschichte als ehemaliger Kurort. Während die heilende Wirkung des Wassers heute weitgehend auf die Mineralbäder beschränkt ist, zielt der Entwurf darauf ab, Wasser wieder als öffentlich und sinnlich erfahrbares und gemeinschaftliches Gut in den Stadtraum zurückzuführen. Unser Interventionsort ist das ehemalige Cannstatter Stadtbad, das zu einer zentralen Trinkhalle wird. In ihrem ehemaligen Schwimmbecken entsteht ein offener, geschützter Ort, in dem Brunnen und Mineralwasser den räumlichen Mittelpunkt bilden. Das Trinken des Mineralwassers wird zu einem sozialen Ritual und knüpft an die Tradition des Kurortes an. Ergänzt wird die Trinkhalle durch ein Gradierwerk, gefasst von einem Wandelgang geformt aus der Bestandsstruktur. Als klassisches Kur-Element verbindet es Bewegung, Aufenthalt und die gesundheitsfördernde Wirkung des Wassers. Städtebaulich markiert die Trinkhalle einen zentralen Baustein auf der Kur-Achse zwischen Kursaal und Mombachquelle. Diese wird durch sichtbare Wasserleitungen der verschiedenen Quellen, aus denen die Trinkhalle ihr Wasser bezieht, verstärkt. Der Entwurf greift so die Geschichte der Cannstatter Mineralquellen auf und spinnt sie räumlich weiter.
The public private house
Bachelorarbeiten
Jan Krieger und Georgios Mantziaras
Städtisches Wohnen betrifft uns alle – doch im zeitgenössischen Wohnbau fehlen oft Aneignungsspielräume, Langlebigkeit und ästhetische Qualität. Unsere Bachelorarbeit greift genau diese Themen auf:
Wie können robuste, flexible Wohnräume aussehen, die Interaktion ermöglichen, ohne Lebensweisen vorzugeben? Dazu reisten wir nach Athen und analysierten die „Polykatoikia“ – ein Stahlbeton-Bautypus, der seit rund 100 Jahren das Stadtbild prägt. Er steht für Aneignungspotenzial, Flexibilität und soziale Durchmischung. Unser Entwurf überträgt diese Prinzipien auf einen zeitgenössischen Wohnbau. Im Zentrum stehen Übergangszonen zwischen öffentlich und privat: Das Erdgeschoss öffnet sich zur Stadt, während ein privater Zugang erhalten bleibt – das „Public Private House“. Die darüberliegenden Wohnungen sind im Split-Level-Prinzip organisiert. Statt einer dunklen Erschließung im Inneren liegt die Haupttreppe an der Straßenfassade – sichtbar, identitätsstiftend und verbindend. Sie schafft Orte der Begegnung, ohne sie zu erzwingen. Auf der Rückseite führt eine diskrete Wendeltreppe zu den Schlafbereichen – eine moderne Neuinterpretation der historischen Servicetreppe.
Im Gebäudekern schaffen großzügige Lichthöfe Licht, Luft und Raum für Urban Gardening. Die Sanitärzonen liegen entlang der Mittelachse und sind Teil der Tragstruktur – funktional und effizient. Die Konstruktion basiert auf einem Stahlbeton-Skelett mit regionalen Materialien wie Ziegel, Holz, Terrazzo und dem für Athen typischen „gehämmerten“ Putz. Die massive Bauweise mit erhöhten Wandstärken erlaubt den
Verzicht auf zusätzliche Dämmung – angepasst an das milde Klima und die handwerkliche Tradition Griechenlands. So entsteht ein Wohnraum, der offen, robust und anpassbar ist – eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der Polykatoikia.