Stadt ist stetiger Dialog zwischen Nutzer und Raum. Bewusst wie unbewusst wird dieser geführt und prägt Räume wie Menschen. Wir diskutieren in Praxis, Lehre und Forschung, wie dieser Dialog konstruktiv und stimulierend geführt werden kann und welchen Beitrag unsere Disziplin der Stadtplanung & Architektur dazu leisten kann. Deshalb besteht unser Team aus Stadtplanern, Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten um in dieser Komplexität über alle Maßstäbe hinweg zu arbeiten.

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum

(English version see below)

Haltung

Städte sind die bauliche Interpretation einer Gesellschaft und derer politischer, kultureller und wirtschaftlicher Entwicklung. Sie sind die Ressource aus der – ähnlich einem Nährboden – neue Lebensstile, Arbeitswelten, Produkte und Strömungen in Kunst und Kultur entstehen. Durch ihre Dichte und Mischung sind sie Orte des Austauschs und der Interaktion. Sie bieten Urbanität, Heimat und Lebensqualität.

Städte sind allerdings auch Ressourcenverbraucher an Energie, Gütern und Arbeitsleistung. Sie kämpfen mit Mobilitätsproblemen, wachsender Umweltverschmutzung und einem enormen Energieverbrauch. Auch zeigen sich soziale Unterschiede besonders deutlich und führen zu Konflikten und Verteilungskämpfen. Doch trotz der negativen Aspekte gelten Städte als Hoffnungsträger einer nachhaltigen Entwicklung.

Wie sieht die Zukunft der Stadt aus? Stadtplanung kann und muss in dieser Diskussion und den daraus resultierenden Aufgaben eine Schlüsselstelle einnehmen in der Verknüpfung verschiedener Disziplinen, welche sich mit der Zukunft von Stadt beschäftigen. Der Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen ist in diesem Sinne nicht nur ein wichtiger Bestandteil des Architekturstudiums sondern versteht sich als aktiver und kritischer Bestandteil des Diskurses über die Stadt der Zukunft.

Fokus

Der Fokus des Lehrstuhls ist die Europäische Stadt: ihre Geschichte, Identität und Gestalt, die dort entstandenen Lebens- und Arbeitswelten, der Wandel und die sich zukünftig stellenden Aufgaben: Wie kann die Stadt Lebensqualität bieten und Heimat sein? Was vom Vorhandenen wird erhalten und weiterentwickelt? Welche Orte bedürfen einer neuen Setzung? Die gebaute Umwelt und die urbane Gesellschaft sind für diese Fragen Fokus der Untersuchung, Reflektion und Weiterentwicklung in Lehre und Forschung.

Zwei Positionen nimmt die Professur dazu ein: Verstehen und Gestalten. Verstehen bedeutet die Europäische Stadt zu lesen, ihre Entwicklungslinien nachzuziehen und somit den Nährboden für zukünftige Entwicklungen zu erforschen. Dieses Verständnis ist die Basis für aktives Gestalten und Weiterentwickeln. Das wichtigste Werkzeug hierzu ist das Entwerfen. Für das Entwerfen von Stadt bedarf es einer integrierten Haltung und breiten Perspektive, die räumliche, funktionale und gestalterische, ebenso wie gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Aspekte berücksichtigt.

Die Lehre und Forschung des Lehrstuhls befasst sich mit den zukünftigen Aufgaben von urbanisierten Räumen im Kontext der Europäischen Stadt im regionalen, nationalen und internationalen Kontext. Die Untersuchungsgebiete reichen dabei vom städtebaulichem Maßstab, über gesamtstädtische Betrachtungen bis hin zu regionalen Themen.

Lehre

Für die Planung von Stadt bedarf es einer integrierten Haltung und breiten Perspektive, die räumliche, funktionale und gestalterische, ebenso wie gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Aspekte berücksichtigt. Das komplexe System ‘Stadt‘ zu verstehen und die Zusammenhänge zu entschlüsseln, ist die Grundlage für die Entwicklung entwerferischer und planerischer Fähigkeiten in diesem Maßstab. In der Lehre arbeiten wir in diesem Sinne mit den drei Ebenen Analyse, städtebaulicher Entwurf und Prozessgestaltung, die eng miteinander verschränkt sind.

Analytisch beobachtend / Informationen verarbeitend: Analyse

Um einen Ort zu verstehen und vorhandene Potenziale als Ressourcen einer zukünftigen Entwicklung zu nutzen, bedarf es einer intensiven und mehrschichtigen Analyse. Nicht nur räumliche sondern auch funktionale Zusammenhänge, soziale, ökonomisch und politische Aspekte sowie auch atmosphärische Elemente gilt es zu berücksichtigen und als Basis für weitere Planungsschritte aufzubereiten und zu nutzen.

Konzeptionell arbeitend / städtebaulich entwerfend: Entwurf

Durch einen kreativen Arbeitsprozess entstehen aufbauend auf den Analyseerkenntnissen neue Visionen und Konzepte. Manche Orte werden auf Basis des Bestandes weiterentwickelt, andere hingegen bekommen eine neue Setzung. Städtebauliches Entwerfen ist eine der Kernkompetenzen über die ein Stadtplaner verfügen muss, um Ideen und Wünsche in räumliche Strukturen zu übersetzen. Dazu bedarf es der Kenntnis von Typologien, Erschließungssystemen, Freiflächenqualitäten und Nutzungsbedürfnissen, aber auch der rechtlichen Grundlagen.

Prozessbegleitend / interdisziplinär vernetzend: Prozess

Bei langen Planungs- und Umsetzungshorizonten spielt die Prozessgestaltung eine immer bedeutendere Rolle. Stadtplanung ist ein Aushandlungsprozess bei dem der Stadtplaner weit über den städtebaulichen Entwurf hinaus einen wichtigen Beitrag leisten kann und sollte. Die Einbindung der beteiligen Akteure, die Übertragung in die Instrumente der formellen Bauleitplanung, Prozessbegleitung und die Vermittlung sind dabei zentrale Aufgaben. Eine strategische Herangehensweise integriert und wägt Belange ab, und führt zu städtebaulichen Konzepten, welche Leitlinien festlegen und zugleich Raum für Entwicklung zulassen.

Die Rolle des Stadtplaners ist in diesem Sinne jene des Beobachters, der Orte umfassend analysiert, jene des Entwerfers, der es vermag, Visionen und Konzepte planerisch und gestalterisch kompetent zu entwickeln und auch jene des Planers und Vermittlers, der den Prozess begleitet. Im Studium gilt es die Kompetenzen zu erwerben, um aufbauend auf Kreativität, Wissen und Erfahrung eine starke, eigene Haltung zu den Zukunftsaufgaben der Stadt zu entwickeln.

(English version)

Position


Cities are the structural interpretation of a society and its political, cultural and economic development. They are the resource from which new lifestyles, working environments, products and movements in art and culture emanate. Their density and inherent mix render them places of exchange and interaction. They offer urbanity, Heimat, and quality of life.
Cities, however, also use up resources such as energy, commodities and labour services. They are fighting against mobility problems, increasing environmental pollution and enormous energy consumption. Additionally, social discrepancies are becoming particularly visible and lead to conflicts and competition for resources. Yet, despite these negative aspects cities are seen as beacons of hope for a sustainable development.

What will the future of the city look like? Urban planning can and has to assume a key-role in this discussion and the resulting networking of different disciplines, which focus on the future of the city. In this respect the chair of Urban Planning and Design is not only an essential element in the study of architecture, but also sees itself as an active and critical part of the discourse concerning the city of the future.

Focus

The focus of the chair is on the European city and its history, identity and design, on its living and working environments, the changes and its future challenges: How can a city offer quality of life and be home? Which of the existing concepts will be preserved and which will be developed further? To answer these questions, the constructed environment and the urban society are the focus of the analysis, the reflection and the development in teaching and research.

The professorship assumes two positions concerning this: understanding and designing. Understanding means to read the European city, to retrace its development lines and thus to research the feeding ground of future developments. This understanding provides the basis for actively shaping and further developing. The most important tool for this is designing. The design of a city requires an integrated attitude and a broad perspective, which incorporates the special, functional and creative aspects as well as the sociological, economic and ecologic aspects.

Research and development of the chair is concerned with the future tasks of urbanized spaces in the context of the European city in the regional, national and international context. The areas investigated range from urban planning scale to observations concerning the holistic structure of cities and on to regional topics.

Teaching


In the planning of a city an integrated attitude and a broad perspective, which incorporates the special, functional and creative aspects as well as the sociological, economic and ecological aspects, are key. Understanding the complex system ‘City’ and deciphering its interrelations constitutes the basis for the abilities to design and plan in this scale. In this sense, we work on three closely interconnected levels: analysis, urban design and process design.

Analytically observing / processing information: Analysis

In order to understand a space and to utilize its existent potentials as resources for a future development, an intensive and multilayered analysis is needed. Not only special but also functional correlations, social, economic and political aspects as well as atmospheric elements are to be considered, utilized and reprocessed as basis for further steps in planning.

Working conceptionally / designing urbanistically: Design

By means of a creative work process, new visions and concepts emerge basing on the findings of the analysis. Some spaces will be developed further based on the existing. Others, however, will receive a new orientation. Urbanistic designing is one of the core competencies an urban planner has to dispose of in order to convert ideas and desires in special structures. For this the knowledge of typologies, development systems, open-area qualities and user needs, but also of the legal framework is indispensible.

Accompanying the process/ interdisciplinary networking: Process

Process design plays an increasingly important role when long horizons for planning and implementation are given. Urban planning is a negotiation process in which the urban planner can and should contribute significantly beyond the urban design scheme. In this, integrating the parties involved, transferring the instruments of formal urban development planning, process support and mediation are pivotal tasks. A strategic approach integrates and deliberates concerns and results in urbanistic concepts, which define guidelines and – at the same time – leave room for further development.

In this sense, the role of the urban planner is that of the observer, who analyses spaces comprehensively, in which such designing takes place an observer, who is able to competently develop visions and concepts to be planned, and acts as planner and facilitator, who accompanies the process. The course of study aims at the acquisition of the competencies needed to develop a strong own attitude concerning future tasks of the city based on creativity, knowledge and experience.