Unsere Lehrhaltung gründet sich auf dem Diskurs. Das gemeinsame Arbeiten von Lehrenden und Studierenden fordert und fördert das kritische Hinterfragen unserer gebauten Umwelt und reflektierte Denken. Kollaboration mit anderen Lehrstühlen, Hochschulen und Praxispartnern sind für uns selbstverständlich. Um die gesellschaftlichen Herausforderungen an Raum kritisch zu reflektieren, braucht es Interesse, Engagement und Idealismus beidseits: von Lehrenden wie Studierenden.

Dieses Semester entwerfen wir einen Stadtteil der Widersprüche. Wir vereinen Dinge, die wir für unvereinbar hielten und entwickeln daraus neue Ideen. Widersprüche machen Städte spannend, sie lassen uns über das Andere, das Unbekannte nachdenken. Doch wenn Widersprüche zu extrem sind, droht Konflikt. Um Konflikten vorzubeugen, müssen wir uns mit gegensätzlichen Positionen beschäftigen und im Aushandlungsprozess Lösungen finden, die unterschiedliche Interessen integrieren und mehr sind als ein Kompromiss.

 

Ein Gebiet am Rande von Stuttgart, wo Bad Cannstatt und Fellbach aufeinandertreffen, dient uns hierfür als Testfeld und wir kreieren ein Nebeneinander und Miteinander unterschiedlicher Quartiere. Das Programm der Quartiere wird von widersprüchlichen Interessen jeweils zweier Akteure bestimmt, die wir bei einer Exkursion persönlich kennenlernen. Ziel ist es, für beide Parteien ein möglichst ideales Quartier zu schaffen, indem man Schnittstellen und Befruchtungsmöglichkeiten herausarbeitet und in einen räumlichen Entwurf übersetzt. Die verschiedenen Interessen einer Stadt werden dekonstruiert, neu zusammengesetzt und in der Gesamtheit aller Quartiere sichtbar gemacht.

 

Der konzeptionelle Entwurf entfaltet sich zwischen zwei notwendigen Ebenen in der Stadtwahrnehmung: der Prägnanz der städtebaulichen Raumbildung und dem Repertoire der Stadträume. Der Rahmenplan definiert die prägnante städtebauliche Raumbildung als Ausgangslage der Entwicklung. Hier werden die Leitlinien aber auch die Kapazitäten festgelegt. Das Repertoire der Stadträume hingegen bildet die Grundlage für den alltäglich gelebten Raum. Es besteht aus räumlichen Qualitäten, die zur Aneignung einladen und Gelegenheiten schaffen. Die Studierenden entwerfen im Maßstab des Städtebaus an der Schnittstelle zur Architektur.

 

Fundament der Lehre des Lehrstuhls Stadtplanung und Entwerfen ist Studiokultur. Entsprechend dieser arbeiten wir gemeinsam im Studio und verstehen uns als Lerngemeinschaft.

 

Endabgabe: Mitte Februar 2020

Bildnachweis: Victor Vasarely, Encelade, 1960

 

 

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum

Harry Leuter

Ksenija Zujeva


Demnächst dürfte die Urbanisierung, wenigstens des Lebensstils, wohl auch den letzten Winkel des ländlichen Raums erreicht haben. Die Gegensätze zwischen Stadt und Land, Zentrum und Peripherie, Kultur und Natur schrumpfen. Der blasierte Blick des Städters auf das abgehängte Land hat sich zuweilen sogar verkehrt in eine romantische Idealisierung des ländlichen Raums, als Ort der Natürlichkeit, Ursprünglichkeit und des gesunden Lebens.

Trotz der neuen Aufmerksamkeit, die das Land dadurch bekommt, steht es vor erheblichen Herausforderungen, denn Stadtflucht, fehlende erreichbare Einrichtungen der Daseinsvorsorge, Leerstand und der sogenannte Donuteffekt (leerstehende Ortsmitten) schwächen viele kleinere Gemeinden. Durch den Wegfall kleinteiliger Versorgungseinrichtungen aus dem Ortskern fällt auch der Ort zur sozialen Begegnung und des Austauschs weg. Die Orte des Alltags verlagern sich aus dem Dorf hinaus und verhindern Begegnungen auf der alltäglichen Basis.

Welche Strategien und Instrumente stehen einem Ort wie Neubrunn in Franken zur Verfügung um mit den veränderten Herausforderungen umzugehen. Wo lassen sich Potentiale freilegen, die aus dem verschlafenen Dörfchen einen Pionier neuer ländlicher Urbanität werden lässt. Und welche Rolle spielen dabei Baukultur, Typologie und Bauweise.
Wir wollen konkrete räumliche und architektonische Vorschläge erarbeiten um die Ortsmitte Neubrunns zu reaktivieren und die Dorfgemeinschaft wieder neu zu entdecken. Dafür steht uns ein ausgedehntes Ensemble mitten in Neubrunn zur Verfügung, das einmal ein lebendiges Nebeneinander aus Wirtshaus, Tanzbar, Kegelbahn und Bierkeller gewesen ist. Man sieht den Räumen die rauschenden Feste noch an, die hier einmal stattgefunden haben. Welche Haltung können wir unter diesen vielschichtigen Voraussetzungen entwickeln um Neubrunn eine resiliente Zukunftsperspektive zu bieten und die Feste wieder stattfinden zu lassen?

 

 

Kurzexkursion nach Neubrunn und Coburg in den ersten Semesterwochen. Exkursionskosten voraussichtlich: 150 €

 

Der Entwurf ist eingebettet in das Forschungsprojekt „Intelligente Marktplätze“

 

Endabgabe: Mitte Februar

 

Die Studierenden entwerfen im Maßstab des Städtebaus an der Schnittstelle zur Architektur. Fundament der Lehre des Lehrstuhls Stadtplanung und Entwerfen ist Studiokultur. Entsprechend dieser arbeiten wir gemeinsam im Studio und verstehen uns als Lerngemeinschaft.

 

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum

Andreas Beulich

Alexander Richert


EinszuEins | Architektur als Social Design in Buenos Aires

 

Von der stadträumlichen Strategie zur Realisierung eines öffentlichen Gebäudes

 

Aktuelle soziale, ökonomische und ökologische Entwicklungen stellen die gebaute Umwelt vor große Herausforderungen. Die räumlichen Disziplinen sind gefordert, nicht nur die Auswirkungen dieser Transformationsprozesse auf städtische Gefüge zu untersuchen, sondern Lösungsansätze über Disziplingrenzen hinweg zu finden.

 

Buenos Aires ist mit seinen mehr als 14 Millionen Einwohnern ein idealer Studienfall für die Auswirkungen der aktuellen Herausforderungen auf das Stadtgefüge. Insbesondere in den Vorstädten – wie der von Deindustrialisierung stark überformten Vorstadt San Martin – ist der Bedarf an räumlichen Strategien besonders hoch.

 

San Martin weißt die größte Dichte informeller Siedlungen im Großraum Buenos Aires auf, liegt am Reconquista, dem mit am stärksten verschmutzten Fluss Südamerikas, und ist Standort der größten Mülldeponie vor Ort. Die schlechten Lebensbedingungen vieler tausend Menschen, die informell im Überschwemmungsgebiet des Reconquista leben, die Kontamination durch verschmutztes Flusswassers und Mülldeponie, die fehlenden sozialen und technischen Infrastrukturen, verlangen integrale, räumliche und nachhaltige Strategien der Stadtentwicklung über die Grenzen von Disziplinen und Maßstäben hinweg.

In Kooperation zwischen dem SI / SuE, dem IRGE, dem Walter-Gropius-Lehrstuhl (DAAD) der Universität Buenos Aires und anderen lokalen Partnern wollen wir uns dieser Aufgabe widmen und neben strategischen Überlegungen auf großmaßstäblicher Ebene konkrete Konzepte für räumliche Interventionen entwickeln.

 

Eine zweiwöchige Sommerschule in Buenos Aires vor Semesterbeginn bietet die Möglichkeit, die Situation vor Ort zu erfahren und sich mit lokalen Akteuren auszutauschen.

 

 

Arbeiten der Studierenden: Malte Didrigkeit und Anna Doerrig

Der Grundgedanke unseres Entwurfs möglichst viele Nutzungen auf minimalem Raum unter zu bringen wird durch ein Regal als Grundelement umgesetzt. Durch die Konstruktion aus genormten Teilen können einfache Änderungen vorgenommen werden. Alle Verbindungen von Regalen, Träger und tragender Konstruktion werden dabei durch Schraubbolzen erreicht, welche immer ein oder 2 Latten an eine Stütze klemmen

 

Basierend auf einem Grundmodul (1500/1500) bilden die Regale eine Einheit, welche verdreifacht eine Raumeinheit bildet (1500/4500). Aneinandergereiht entstehen so zwei Riegel zwischen denen die einzelnen Räume entstehen, diese sind durch die Konstruktion eines Ständerfachwerks überdacht. Die Nutzungen der Räume werden nur durch die Aufteilung und den Inhalt der Regale bestimmt, sodass auch andere Nutzungen in den Räumen stattfinden können und sie somit maximal anpassungsfähig sind.

 

Zwischen den Räumen innerhalb des Riegels befinden sich Innenhöfe, welche die Übergänge der Raumatmosphären bilden. Die Regale als flexible Elemente können so frei geöffnet und geschlossen werden und dienen auch als Vermittler zwischen Innen und Außenraum. So kann die Setzung als erster Schritt in einer Weiterentwicklung des gesamten Viertels zu sein.

Arbeiten der Studierenden: Annika Sieblitz und Cristina Estanislao Molina

Am Rande einer der am stärksten von Armut betroffen informellen Siedlungen – oder Villa – San Martin, befindet sich ein offenes Feld. Die einzige Freifläche in der gesamten Villa. Auf dem Papier gehört das Feld einer benachbarten Fabrik. Fragt man die Bewohner, würden sie sagen, dass es zu ihnen gehört.

 

Waldemar Cubilla, Ex- Häftling, Soziologe und Einwohner von La Carcova, sah vor Jahren die Gelegenheit, diesen Freiraum zu nutzen und beschloss, die erste „Biblioteca Popular“ des Bezirks zu eröffnen. Die Biblioteca Popular La Carcova ist viel mehr als nur eine Bibliothek, sondern Anstifter des sozialen Wandels in einem Bezirk, dessen Bewohner keinen Zugang zu grundlegenden Ressourcen oder Bildung haben. Unser Entwurf knüpft an Waldemars Gedanken an und greift den Ort als Bildungscampus auf. Über den Campus verteilen sich acht Elemente mit spezifischen Atmosphären. Durch die Anordnung der Elemente ergeben sich drei Bereiche des Parque Educativo. Im Norden der Sportbereich, im Osten eine ruhige Fläche und im Westen befindet sich der Platz für das Gemeinschaftsleben der Bewohner von La Carcova.

 

La Carcova braucht weder eine traditionelle Bibliothek, noch braucht es einen traditionellen Kindergarten oder eine traditionelle Sporthalle. Es braucht flexible Räume, die sich von den engen Räumen in den Häusern der Bewohner von La Carcova unterscheiden. Orte, die Neugierde wecken und zum Austausch und zur Bewegung anregen. Unser Entwurf soll eine Vision für die freie Fläche am Rand ihrer Siedlung geben, einem Parque Educativo, von dem auch Gise und Waldemar träumen.

Arbeiten der Studierenden: Nicole Müller und Clara Scherer

Nach unserem Besuch sind uns zwei Dinge im Kopf geblieben, die vor Ort sehr präsent sind. Auf der einen Seite das Streben nach Sicherheit, oft sichtbar durch Mauern, Zäune und Gitter an den Fenstern. Auf der anderen Seite, besonders in La Carcova, der hohe Stellenwert der Gemeinschaft und der Wunsch nach Räumen für Kommunikation und Interaktion. Unser Entwurf stellt sich bewusst mit einer offenen Struktur gegen das akute Bedürfnis der Abschottung auf Grund von Sicherheit. Mit unserem Entwurf wollen wir die These aufstellen, dass Sicherheit ein Resultat aus Partizipation, Identifikation und der daraus resultierenden sozialen Kontrolle ist.

 

Um Orte dieses Miteinanders zu schaffen, wählen wir eine Setzung die einen neuen Straßenraum ausformuliert, der von unterschiedlichen öffentlichen Gebäuden bespielt wird und eine aktive Aneignung durch die Bewohner fördern soll.

 

Als ein erster Baustein wurde von uns die „Neue Bibiliothek“ konkret ausformuliert. Maximal offene Strukturen sind flexibel nutzbar und können einzeln, sowie zusammengeschaltet bespielt werden. So wird das Gebäude vielen Alltagssituationen und besonderen Anlässen gerecht und bietet sowohl für ruhigere als auch für laute und aktive Unternehmungen Platz. Durch eine einfache Konstruktion kann auch im Bauprozess ein Miteinander entstehen und das Gebäude in die Nachbarschaft integriert werden.

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut in Kooperation mit dem IRGE
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum

Markus Vogl

 

IRGE Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens

Prof. Markus Allmann

Bettina Klinge

Spela Setzen

Sebastian Wockenfuß


„Provisorische Architektur ist Medium für den Umbau unserer Städte, ist Ordnungsmittel und

Großmobiliar, ist Koordinationselement für vorhandene Bausubstanzen und Prüfstand für öffentliche

Meinung. Provisorische Architektur schafft die Möglichkeit, Wünsche und Vorstellungen der

Stadtbewohner anhand vorgegebener Modelle zu konkretisieren, Verhaltensweisen in Erfahrung

zu bringen.“

Ortner, Laurids (Haus-Rucker-Co) 1977.

 

Die Arbeiten des Entwurfs „Provisorische Architektur” gehen dem im vorhergegangenen Seminar

beobachteten verzerrten Mobilitätsverhalten in Stuttgart auf den Grund und richten ihren Fokus

gezielt auf die Situation am Österreichischen Platz, wo diese Realität im öffentlichen Raum sichtbar

wird. Die Studierenden realisieren drei von einer Jury ausgewählte Realexperimente, welche

dort in Form von provisorischen Architekturen umgesetzt werden. Sie dienen als Möglichkeit neue

Ansätze, im Stadtraum zu testen, den Diskurs rund um eine neue Mobilitätskultur weiter

anzustoßen und um neue Denkweisen zu kultivieren.

 

Der Entwurf „Provisorische Architektur” ist Teil des „Future City Labs Universität Stuttgart – Reallabor

für nachhaltige Mobilitätskultur“ gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung

und Kunst Baden-Württemberg. Ziel der Reallabor-Forschung ist, gesellschaftliche Experimentierräume

für aktuelle Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft zu

ermöglichen, um vom Wissen zum Handeln zu kommen. In Zusammenarbeit mit Stadtlücken e.V.,

der Stadtverwaltung und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen wird in der 2. Förderphase des Reallabors

die kulturelle Dimension der nachhaltigen Mobilität in Stadtraum kooperativ erprobt. Das

Reallabor für nachhaltige Mobilitätskultur dient dabei als Zukunftslabor und kooperative Plattform.

Es bündelt erzeugtes Wissen, macht es zugänglich und diskutierbar: sowohl durch die digitale

Vernetzung als auch durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Initiativen und Akteur*innen.

Dabei geht es nicht nur um Technologien oder Strategien zur Verkehrsoptimierung, sondern vor

allem um eine Kultur der Mobilität und Bewegung, die sich an einem erweiterten Wohlstandsbegriff

orientiert, Gesundheit und sozialen Austausch fördert und neue Lebens- und Aufenthaltsqualitäten

in der Stadt zu schaffen vermag.

 

Nach Absprache mit den Lehrenden kann das Lehrformat als Entwurf oder Seminar angerechnet werden.

Endabgabe: 31.09.2019

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum

Hanna Noller

Sebastian Klawitter


Bad Cannstatt ist geprägt von einer großen Vielfalt und enormen Gegensätzen. Stuttgarts größter Stadtbezirk kann auf eine lange Geschichte der Zuwanderung zurückblicken. Eine heterogene Bevölkerung lebt und arbeitet hier zusammen, in einer heterogenen Stadtstruktur.
Eine produktive und inklusive Stadt nutzt diese Vielfalt und Mischung, entwickelt daraus einen Nährboden auf dem Neues entstehen kann. Im Rahmen des Studios stellen wir uns die Frage nach den räumlichen Grundlagen für Interaktion und Austausch zwischen verschiedenen Gruppen in der Stadt. Wir reflektieren die Rolle des öffentlichen Raums in der europäischen Stadt und Stadtgesellschaft. Und wir entwerfen einen inklusiven und produktiven Ort für Bad Cannstatt.

Inspiration und Ausgangspunkt des Entwurfs sind die brasilianischen SESC-Zentren. Berühmtestes Beispiel: das SESC Pompeia von Lina Bo Bardi. Ein Ort offen für alle, der ein breites Angebot an Räumen und Nutzungen bietet. Kostenlose Sport- und Bildungsangebote werden hier ebenso angeboten wie Gesundheitsservice, Bibliothek, Kulturprogramm, Kinderbetreuung und last but not least erschwingliche Gastronomie oder einfach einen Ort zum Sonnen. Ebenso interessant die Finanzierung, getragen von den im Stadtbezirk ansässigen Gewerbebetrieben.
Im Entwurfsstudio sammelten wir interessante Konzepte für Gemeinschafts-, Sozial-, Kultur- und Bildungszentren weltweit. Wir diskutierten die Rolle eines solchen öffentlichen Ortes und die Potenziale für Bad Cannstatt. Wir erkundeten und analysierten den Standort im Umfeld des Wilhelmsplatzes und übertrugen die Erkenntnisse in Entwürfe.

 

Exkursion Ivry-sur-Seine am 26.11.18

Rundgänge mit Gastkritiken von Ciro Miguel, Charlotte Malterre-Barthes, Markus Vogl, Facundo Fernandez, Sabine Kastner

Arbeiten der Studierenden: Activating BC – Karla Bendele

 

Auf die Heterogenität des Stadtteils soll mit einem Zentrum reagiert werden, das sich auf mehrere Punkte am Wilhelmsplatz bezieht und mit den baulich bestehenden Strukturen arbeitet und sich somit in das Gefüge dieses Ortes mischt. Ein dezentral organisierter Ort der Gemeinschaft. An den verfügbaren Bestand, das Schwabenbräu, Parkhaus mit Kopfbau, König-Karl-Passage und Kaufhof werden so neue Gebäude, sogenannte Aktivatoren angefügt, die eine gemeinschaftliche oder gesellschaftliche Funktion besitzen. Gebäude werden einfach nur hinzugefügt, Gebäudeteile werden ersetzt oder herausgenommen und Teile der Gebäude werden abgebrochen. Dies geschieht so, dass eine gute Zirkulation der Bewegung zwischen den einzelnen Gebäuden des Zentrums möglich ist und tote Zonen vor Ort durch die Setzung neuer Nutzungen aufgehoben werden. Jedes Bestandsgebäude bietet spezifische bauliche Voraussetzungen und so richtet sich die Zuteilung der Unterzentren nach der besten Eignung für das jeweilige dort geplante Geschehen.

Arbeit der Studierenden: Public Monument – Philipp Deilmann & Julius Lutterbüse

 

Die Heterogenität Bad Cannstatts führt immer wieder zu einem aufeinandertreffen unterschiedlichster Architekturen. An diesen Kollisionspunkten entstehen Vernetzungen, die sich wie ein Meer über das Stadtbild erstrecken. Die Lesbarkeit dieses Netzwerks ist nur durch Fixpunkte wie beispielsweise Bahnhof, Kursaal und Marktplatz möglich. Der Wilhelmsplatz bietet das Potenzial einen weiteren dieser Fixpunkte zu etablieren. Der monumental anmutende Baukörper bildet eine Insel, welche an die wichtigsten Stadtbausteine Bad Cannstatts anknüpft. Einzelne alltägliche Bausteine Bad Cannstatts wurden extrahiert und zu neuen Architekturen transformiert, welche die eigenständige Struktur Bad Cannstatts sichtbar werden lassen. Dies schafft eine Vertrautheit und Identifikation mit dem Neuen. Dabei geht es nicht um das Kopieren einzelner Elemente, sondern darum Bausteine sorgfältig zu kuratieren und neu in Zusammenhang zu bringen. Denn sowie die Stadt aus einzelnen Kompositionselementen besteht, ist auch das SESC IN BC in Fragmenten entworfen, welche sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Das neue SESC ist mit seinem Kontext verflochten: über eine unterirdische Passage, die Bahnhof und Altstadt miteinander verbindet, schlägt es seine Wurzeln in den Alltag Bad Cannstatts.

Arbeiten der Studierenden: Stadtrampe – Ellen Scherr und Viviane Vu

 

Die multikulturelle Gesellschaft Bad Cannstatts bietet einen idealen Nährboden und hat das Potential einer überregionalen Vorbildfunktion für das Etablieren eines Gemeinschafts- und Kulturzentrums. Mit dem Ziel, das Bewusstsein für ein starkes Kollektiv wiederherzustellen, soll das Gemeinschaftszentrum Menschen unterschiedlichster Herkunft, unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Lebensstile vernetzen. Neben den Bewohner Bad Cannstatts als Hauptzielgruppe, steigert eine hohe Vielfalt an interessenübergreifenden Nutzungen auch die Attraktivität des Zentrums für nicht im Stadtteil Ansässige. Dabei wurde bewusst auf kommerzielle Nutzungen verzichtet. Unterschiedlichsten Funktionen und deren Nutzer werden in einem Gebäudekomplex bestehend aus dem Kulturkubus, dem Produktionsbau und dem sich dazwischen spannenden vertikalen Freiraum vereint. Dabei steht der Raum zwischen den Nutzungen in besonderer Weise im Fokus: Anstelle mehrerer punktueller Erschließungskerne zieht sich eine alles verbindende Erschließungsrampe durch den gesamten Gebäudekomplex, die es den Besuchern erst ermöglicht die unterschiedlichen Nutzungen wahrzunehmen. Die sich entlang der Rampe befindenden Möglichkeitsräume fördern spontane Begegnungen.

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Maria Schiller
Alexander Richert


Bad Gastein - Zentrum einer temporären Stadt?

Der Diskurs über historische Zentren, deren Anziehungskraft für Besucher und die darum entwickelten, wilden Agglomerationen der heutigen Städte ist aktueller denn je. Die zukünftige Entwicklung von Städten ausgehend vom tatsächlichen Status Quo, der zersiedelten Landschaft, gilt es zu untersuchen und neue Denkansätze müssen formuliert werden.

 

Entlang des Gasteinertals entstand aus ursprünglich kompakten historischen Dorfkernen eine zersiedelte Landschaft. Bad Gastein bildet dabei den baulichen imposanten Endpunkt des Tals. Durch wöchentlich ebenso viele Touristen wie Einwohner kann die Gemeinde Bad Gastein saisonal als temporäre Stadt diskutiert werden.

 

Im Prozess der Zersiedelung wurde Bad Gastein im 19. Jahrhundert durch die einmalige Lage in dramatischer Landschaft zum beliebten Kurort für Wohlhabende. Die Trennung von Bediensteten und Touristen führte zu sozial und funktional getrennten Stadträumen, ähnlich einer topografisch manifestierten Gated-Community und manifestierte sich auch morphologisch zum heute typischen Stadtbild mit mächtigen Hotels der Belle Époque und der Trennung von schmalen Promenaden und steilen Funktionswegen als separierte Verbindung zwischen den unterschiedlichen Milieus.

 

Heute betrachtet der Tourist das historische Zentrum aus verspekulierten, leeren Hüllen und das Stadtleben hat sich längst entlang des Tals ausgebreitet – weniger fotogen in neuen provisorisch anmutenden Zentren.

 

Doch es scheint Bewegung in die Entwicklung zu kommen. Das Land Salzburg hat drei Hotels um den Straubingerplatz gekauft und einen Investor gefunden, der diese sanieren und wieder für Gäste erlebbar machen will. Der Bau eines Fußgängertunnels vom Bahnhof in das historische Zentrum wird geprüft und mehr und mehr ziehen kulturelle Veranstaltungen und Marketing- Events wieder ein jüngeres Publikum an. Inwiefern diese Projekte und Bemühungen jedoch der langfristig positiven Entwicklung dienlich sind, bleibt abzuwarten.

 

Trotz vorbildhafter Besucherzahlen stellt sich die allgemeine Frage unserer gebauten Umwelt: Kann Tourismus das letzte Allheilmittel historischer, innerstädtischer Zentren sein? Denn das Scheitern der räumlichen und ökonomischen Konzentration auf nur einen Aspekt hat zumindest in Bad Gastein gezeigt, wie anfällig eine solch monofunktionale Fokussierung sein kann, insbesondere bei einer externen Logik der Finanzierung.

 

Im Gegensatz zu der bislang einseitigen Entwicklung, arbeiten die Projekte der Studierenden unterschiedliche Aspekte heraus, die interessante Denkanstöße für Entwicklungen in unterschiedliche Richtungen bieten. Von direkt umsetzbaren punktuellen Eingriffen über langfristige großmaßstäbliche Strategieplanungen bis hin zu einer völlig neuen Ausrichtung der Art des Zusammenlebens wird eine große Bandbreite an Möglichkeiten für Bad Gastein aufgezeigt. Die Beiträge und Vorschläge sollen neben der Diskussion im Sinne der Studiokultur am Städtebau-Institut der Universität Stuttgart auch zum Weiterdenken vor Ort anregen.

Impressionen Rundgänge mit Gastkritiken von Marie-Theres Okresek, Markus Vogl und Daniel Schönle

Arbeit der Studierenden: Stadt als Promenade - Thomas Lesch und Jakob Schlipf

Bad Gastein zählt monatlich fünfmal mehr Touristen als Einwohner. Im Gegensatz zu anderen touristisch geprägten Orten gibt es jedoch keine Konflikte zwischen Bewohnern und Touristen, da es keine Schnittstellen gibt. Touristisch geprägte Orte wie Bad Gastein können jedoch nur funktionieren, wenn Bewohner und Touristen zusammenarbeiten und durch Synergieeffekte voneinander profitieren.

Mit einem verbindenden linearen Element soll das Zentrum neu definiert werden als lineares Zentrum. Eine Promenade als Zentrum, die die verschiedenen Zentrumsstrukturen miteinander verbindet. Die Promenade bezeichnet per Definition den Spaziergang und gleichzeitig den gebauten Fußgängerweg. Auf einer Promenade wird der Spaziergang regelrecht zelebriert, man geht nicht, sondern flaniert. Gleichzeitig stellt die Promenade auch eine Art Bühne dar. Sie ist ein Ort des Austausches und der Interaktion. Die Promenade bildet in dem Fall einen Ort, an dem Stadtöffentlichkeit sichtbar wird.

In Bad Gastein hat die Promenade eine kulturhistorische Bedeutung. Wegeverbindungen wie die Kaiser-Wilhelm-Promenade dienten dem damaligen Kur-Tourismus als Prachtmeile sowie als Treffpunkt. Diese Orte waren ausschließlich dem europäischen Hochadel vorbehalten, jedoch nicht der Bad Gasteiner Bevölkerung.

Die Exklusivität der Bad Gasteiner Promenade soll aufgebrochen werden, indem der Bad Gasteiner Bevölkerung eine Promenade als verbindendes Element gegeben wird. Diese soll Tourismus und Bewohner einen. Gleichzeitig sollen historisch funktional getrennte Bereiche, inklusiv miteinander verbunden werden. Die Monofunktionalität der einzelnen Bereiche wird dadurch aufgebrochen und verbindet unterschiedliche teils gegensätzliche Atmosphären. Sie verläuft dort, wo diese am intensivsten zu erfahren sind. Sie stellt eine Verbindung der grauen, urbanen, dynamischen Bereiche mit den grünen, ruralen, statischen Bereichen dar. Diese Gegensätzlichkeit erzeugt Spannungen wodurch Dynamik erzeugt werden kann. So definiert Lucius Burckhardt den Spaziergang als eine Sequenz, einer Perlenkette, aufgrund derer eine integrative Leistung vollbracht wird. Das Motiv ist nach Burckhardt der Übergang von der Stadt aufs Land. Dieser Übergang kann in einem kleineren Maßstab auch auf Bad Gastein angewandt werden. Der Übergang des urban-touristischen zum rural-sesshaften. Dieser Übergang wird begleitet vom Berg in der Mitte. Die Promenade führt ringförmig einmal um diesen herum. Wenn man die Promenade somit einmal entlang flaniert, kann man den Ort in seiner Gänze wahrnehmen.

Arbeit der Studierenden: Sorry guys I´m on retreat - Cristina Estanislao und Kathrin Schnell

Schon die Kaiser und Könige ahnten es: zu viel Stress tut nicht gut. Deshalb traf man sich in unregelmäßigen Abständen zur Sommerfrische in Bad Gastein. Das promenieren bei herrlichem Panorama verhalf dabei ebenso zur Linderung ihrer Zimperlichen wie die Anwendungen mit dem radonhaltigen Heilwasser. Die Stadt bot alles um Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen. Heute bestimmen Hektik und Zeitdruck den Alltag. Es mangelt an geeigneten Räumen, Architekturen und Strukturen. Ein Burnout vorbeugen bevor es entsteht, allein oder mit der ganzen Familie auf Retreat, sei es für ein Wochenende oder gleich ein ganzes Jahr. Am besten spontan, in der Natur, nicht zu weit weg aber abgeschieden genug.

Wer in Bad Gastein aus dem Zug aussteigt und durch die Gassen hinab ins alte Zentrum läuft, spürt schnell warum dieser Ort seit Jahrhunderten eine hohe Anziehungskraft auf Besucher auswirkt. Zwischen mondänen Hotels aus einer anderen Zeit und umgeben von einem beeindruckenden Alpenpanorama stürzt sich tosend ein Wasserfall in die Tiefe.

Abgekoppelt von der Hektik des Alltags, bewegt man sich durch Bad Gastein wie in einer Seifenblase. Lebenskünstler und Ruhesuchende bilden schon heute eine inspirierende Symbiose.

Das leerstehende Kongresszentrum aus den 60er Jahren wird in seiner ehemaligen Funktion komplett transformiert. Die Konstruktion aus Fertigbetonteilen wird dabei größtenteils erhalten. Den neuen Bedürfnissen entsprechend bietet es im Herzen der Stadt fast alles, was temporäre und permanente Bewohner auf Retreat benötigen. Es dient sowohl im Sommer, als auch im Winter als umbauter Kurpark. Da die Schätze der Natur für alle zugänglich sein sollten, steht das radonhaltige Heilwasser zur freien Verfügung. Auch andere Annehmlichkeiten wie Ruhe- und Bewegungszonen in unterschiedlichen Dimensionen werden angeboten. Besucher treten in ein beruhigtes Ambiente und können sich ganz auf ihre Erholung fokussieren. Die Räume werden durch ihre Materialität definiert und laden so zur Nutzung ein. Um kein Überangebot zu schaffen, kann das Zentrum sukzessiv erweitert werden. Verschiedene Qualitäten, wie geschlossene, offene und gemeinschaftliche Räume wechseln sich ab.

Eine Reminiszenz an die alten Wandelgänge rundet den Entwurf ab und verwebt den Eingriff mit der Geschichte des Ortes.

Arbeit der Studierenden: Nischen - Alina Gold (Bachelorarbeit)

Ehemals bekannt als Kurort für Wohlhabende, stellt sich Bad Gastein heute mit verspekulierten Gebäuden inmitten des Wintersportgebiets dar. Die Stadt regt Touristen und Bewohner dazu an, Nischen zwischen den verspekulierten Fassaden entdecken zu wollen. Im Gegensatz zum Kongress- und Straubingerplatz finden sich in Bad Gastein unzählige Nischenorte, die zwischen Image und Identität des Ortes vermitteln.

Im Entwurfsprozess wurden beispielhaft Nischen analysiert und auf ihre Eigenschaften untersucht. Das intrinsische Entwerfen fünf dieser Nischen im historischen Ortszentrum wurde durch das Erfassen der in den Nischen liegenden Anreize erwirkt. Die entstandenen Möglichkeitsräume intensivieren oder kontrastieren vorgefundene Atmosphären. Atmosphäre wird generiert durch das Schaffen von und Arbeiten mit den Sinnen Sehen, Hören, Riechen und Tasten sowieso die subjektive Erwartung an und das subjektive Gefühl für einen Ort.

Arbeit der Studierenden: Vertierung Bad Gastein - Ginster Bauer

Bad Gastein war in früheren Zeiten die ländliche Außenstelle und Nahrungslieferant von Salzburg. Mit meinem Städtebauvorschlag möchte ich zum einen die ländlichen Wurzeln herausarbeiten und zugleich die kleinstädtische Struktur wiederbeleben. Zum anderen möchte ich in meinem Vorschlag einen zeitgenössischen Diskurs über ein anderes Mensch-Tier-Verhältnis integrieren, um darüber zu einem neuen Besiedlungskonzept zu gelangen. Dieses kann als Modell für eine besondere Form der Nachverdichtung und Revitalisierung betrachtet werden.

Da Bad Gastein mit Leerständen zu kämpfen hat und nur Teilbereiche der Stadt saisonal belebt sind, soll der Ort durch Ansiedlung von Nutztieren und damit auch von Menschen wiederbelebt werden. Das Nutztier muss von Menschen gefüttert und gepflegt werden; und umgekehrt war und ist der Mensch auf Nutztiere als Nahrungs- und Materiallieferant angewiesen.

Die Ansiedlung der Tiere umfasst Schafe, Ziegen, Hühner, Kühe und Alpakas. Bei der Herausarbeitung der städtebaulichen Maßnahmen habe ich mich an den Bedürfnissen der Tiere orientiert. Als Vorbild für eine funktionierende Mensch-Tier-Infrastruktur wurde der Bauernhof genommen, der eine fast dörfliche Struktur besitzt. Bei „Vertierung Bad Gastein“ soll Tieren ein eigener Raum überlassen werden, den sie nach ihrem „Eigen-Sinn“ gestalten können. Die Umnutzung der zahlreichen Grünflächen kann nicht nur vielen Tierbewohnern einen neuen Lebensraum (beastly spaces) bieten, sondern auch zu einer anderen Form der Nachverdichtung und Umnutzung beitragen. Das Parkhaus wird zum Tierhabitat, Parkplätze werden zu Stallungen. Die nötigen Baumaßnahmen wären: Bau von Ställen, Bau von Vertrieben, neue Tier-Mensch-Habitate mit Nutzung der Abwärme von Tieren als Energieressource. Die Vertierung von Bad Gastein könnte auch für den Tourismus einen positiven Nebeneffekt haben: Landurlaub und Urlaub auf dem Bauernhof sind inzwischen bei Familien aus Großstädten ein beliebter Trend. Ein „vertiertes“ Bad Gastein würde innerhalb dieses Tourismusangebots eine Sonderstellung einnehmen, da eine ganze Kleinstadt mit Umgebung in die „Vertierung“ einbezogen wäre. Angebote für Familien zum Mitmachen bei der Tierpflege oder beim Melken, Füttern, Spaziergänge mit Ziegen, usw.

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Sascha Bauer
Harry Leuter


Der Diskurs über eine inklusive Stadtentwicklung, die Qualifizierung bestehender Stadtquartiere und die Mischung von Nutzungen in urbanen Kontexten ist nicht nur in Europa, sondern weltweit und damit auch in Südamerika zu führen. Die Studierenden denken, entwerfen und diskutieren im Rahmen der vorgeschalteten Exkursion und der Sommerschule La Matriz Konzepte für die Stadt und Stadtgesellschaft, als konkrete Diskussionsbeiträge für die Verbesserung der Lebensbedingungen in zentralen und doch marginalisierten Stadtteilen. Architektur und Stadtplanung zeigen hierbei ihre Alltagsrelevanz und Bedeutung im Diskurs über die Entwicklung von Stadt als gemeinschaftlichen und inklusiven Lebensraum.

 

Im Anschluss an die Exkursion und die Sommerschule in Valparaíso sind die Entwurfsansätze in den einzelnen Hochschulen (Universität Stuttgart, Universidad Tecnica Federico Santa Maria, Universidad de Buenos Aires) in interdisziplinären Entwurfs-Studios vertieft worden. Anhand einer maßstabsübergreifenden Entwurfsanalyse im Kontext von La Matriz wurden individuelle Ansätze zur Entwicklung eines eigenständigen Konzeptes in Gruppen erarbeitet. Dabei lag der Fokus auf einer integralen Herangehensweise im näheren Umfeld des UNESCO Weltkulturerbes und der sogenannten Buffer Zone.

In den Stuttgarter Entwurfsgruppen wurde in unterschiedlichen Quartieren gearbeitet, welche sich vom Hafengebiet über die von starker Verkehrsinfrastruktur durchzogenen Ebene bis hin zu der Übergangszone um das Barrio La Matriz entwickelten. Somit konnte die gesamte Bandbreite des speziellen Kontextes in Valparaíso von der Hafenkante (El Plano) bis hin zur Avenida Alemania (Cerros) gedacht werden.

Die Eingliederung eines Konzeptes im städtebaulichen Maßstab wurde in den nächsten Schritten über den Architekturmaßstab gedacht, diskutiert und weiter entworfen. Kommend von einer übergeordneten räumlichen Strategie für die Stadt Valparaíso, entwickelten die Studierenden eine städtebauliche Setzung an von ihnen gezielt ausgewählten Orten. Eine Vertiefung erfolgte im Hinblick auf ein urban gedachtes Quartier, einer kontextuell angepassten programmatischen Diversität und insbesondere des Wohnbaus mit starkem Bezug zu den eigenständigen Blockkubaturen, welche neue Grundrisstypologien erforderten.

Arbeiten der Studierenden: Ines Ehrenbach und Silva Maringele

Auf der städtebaulichen Ebene ist Valparaíso nach verheerenden Naturereignissen wie partiellen Bränden, Tsunamis und Erdbeben als Patchwork zu sehen.

Das Entwurfskonzept besteht darin, La Matriz als zentralen Flicken zu betrachten, von welchem aus sich die Stadt in die Cerros hinauf entwickelt hat.

Die Setzung in diesem Bereich soll die Verbindungen in die anderen Quartiere stärken und durch die gedachte Richtung vom Berg ins Tal, erhält diese erstmals eine Aufmerksamkeit durch die Stärkung der Gebäuderückseiten.

Auf der Quartiersebene betrachtet der Entwurf die Verbindungen zwischen öffentlichen Räumen durch Erweiterung der bestehenden Platzabfolge. Dem Netzwerk aus Plätzen werden neue hinzugefügt, welche die von den Hügeln kommenden Menschen in Empfang nehmen. Hierbei sind introvertierte Höfe nachbarschaftliche Verbindungsglieder dieser neuen Freiräume. Dies wird erreicht durch die Setzung neuer Bausteine in brachliegenden Flächen in einem heterogen bebauten Umfeld.

Im architektonischen Maßstab werden aus dem Motiv des Patchworks heraus verbindende räumliche Verknüpfungselemente im Wohnbau entwickelt. Dabei haben die Patiohäuser gemeinsame Eingangsbereiche, dem Laubengangtyp sind private Freibereiche angegliedert und bei den topographisch eingebundenen Townhäusern wurde mit fließenden Splitlevel eine Verbindung zum äußeren Kontext erschaffen.

 

Arbeiten der Studierenden: Katharina Wackler und Phaea Korycik

 

Der Ursprung Valparaísos liegt am Hafen. Bis zur Eröffnung des Panama-Kanals war dieser der wichtigste Umschlagort Süd- und dem Westen Nordamerikas. Durch den rückläufigen Schifffahrtsbetrieb hat der historische Kern La Matriz an Bedeutung verloren. Leerstand und Brachflächen ergänzen den vernachlässigten Eindruck des Stadtteils.

Der Entwurf setzt am Wasser einen Impuls und stärkt die Angliederung an den Stadtteil mit einer Transformation der Uferkante und der Öffnung des aktuell geschlossenen Hafengebietes.

Der Hafen erhält ein baulich manifestiertes Gegenüber, wovon beide Seiten profitieren. Das entstehende Mischgebiet bleibt dem rauen, einfachen Hafencharakter treu. Auf den drei neu entwickelten Baufeldern wird das Wohnen mit den für die Stadt typischen Erdgeschossnutzungen kombiniert und unterschiedliche Raumangebote ermöglichen eine bunte Mischung – von kleinen Werkstätten bis hin zum Zeitungskiosk oder Obsthändler.

Die ausgearbeitete Gebäudetypologie ist eine Neuinterpretation der für Valparaíso typischen Blockbebauung von circa 30x30m. Um mit der großen Tiefe des Gebäudes umzugehen und eine ausreichende Belichtung zu ermöglichen, arbeitet der Entwurf mit einer Kombination aus Lichtschächten und Erschließungsplattformen und bietet zudem die Möglichkeit mit differenzierten Haushaltsgrößen umzugehen. An der prominenten, dem Wasser zugewandten Fassade, befindet sich ein Gemeinschaftsraum, der für alle Bewohner zugänglich ist und das für Valparaíso einmalige Hafengebiet im Stadtzentrum für eine weitere Entwicklung in den Fokus rückt.

Arbeiten der Studierenden: Anna-Lea Rohrbach, Lisa Schmidt und Julian Lipp

Leitidee des Entwurfs „Stadt Quartier Nachbarschaft“ ist das Ermöglichen nachbarschaftlichen Lebens im derzeit unbelebten Stadtteil La Matriz durch die Neuinterpretation der vorhandenen Baustruktur. Diese bietet derzeit durch allseitig geschlossene Blöcke kaum nachbarschaftlich nutzbare Bereiche.

Im Entwurf wird Nachbarschaft auf mehreren Ebenen ermöglicht. Die Weiterführung des Stadtboulevards schafft Verknüpfungen auf gesamtstädtischer Ebene, die Verbindung von „Plano“ und „Cerro“ wird über eine neue, im rechten Winkel zum Stadtboulevard verlaufende, Hauptachse mit formeller und informeller Marktfunktion geschaffen. Nachbarschaft auf Quartiersebene wird durch verschiedene soziale und kulturelle Angebote gefördert. Über die Setzung der Gebäude entsteht ein Hof, der zur nachbarschaftlichen Interaktion von Haus zu Haus anregt.

Innerhalb der Gebäude werden neben stark ausdifferenzierten Wohngrundrissen gemeinschaftlich nutzbare Flächen und großzügige Erschließungsflächen mit Aufenthaltsqualität geschaffen. Sowohl herkömmliche Geschosswohnungen als auch experimentelle Wohnformen, wie Clusterwohnen und Großhaushalte sind in das neue Quartier integriert. So wird die Voraussetzung für eine soziale Mischung und für informelles Zusammentreffen der Hausbewohner ermöglicht.

Exkursion 19.-22. + 29.-31.3 und Workshop 23.-28.3.2018

Location: DUC La Matriz, Valparaiso, Chile
Organisation: Universidad Tecnica Federico Santa Maria, Valparaiso, Chile
University of Stuttgart, Faculty of Architecture and Urban Planning, Stuttgart, Germany
Universidad de Buenos Aires, Facultad de Arquitectura, Posgrado lnternacional en Urbanismo, Buenos Aires, Argentina

Partner:

Universität Stuttgart, Institut für Wohnen und Entwerfen (IWE), Stuttgart, Germany
Prof. Dr.-lng. Thomas Jocher mit Dipl.-Ing. Sylvia Schaden

 

Universität Stuttgart, Städtebauinstitut (SI), Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen, Stuttgart, Germany
Prof. Dr.-lng. Martina Baum mit MA Sascha Bauer und MA Maria Schiller

 

Universidad Tecnica Federico Santa Maria, Departamento de Arquitectura, Valparaiso, Chile
Prof. Marcela Soto und Prof. Dr. Jorge Leon

 

Universidad de Buenos Aires, Facultad de Arquitectura, Posgrado lnternacional en Urbanismo, Buenos Aires, Argentina
Gast.-Prof. Markus Vogl, Walter Gropius Lehrstuhl (DAAD) mit Facundo Fernandez

Students from Stuttgart:

Ines Ehrenbach, Sabine Kastner, Phaea Korycik, Julian Lipp, Silva Maringele, Anna-Lea Rohrbach, Lisa Schmidt, Katharina Wackler

 

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Sascha Bauer
Maria Schiller


Studio Buenos Aires
Mi Casa – Mi Ciudad
Neue typologische Ansätze an den Schnittstellen von Formalität und Informalität
Eine Kooperation des IBK 1 (Prof. Peter Cheret) mit dem SI (Prof. Martina Baum)

 

Die Stadtverwaltung von Buenos Aires unternimmt größte Anstrengungen, die Elendsviertel der Haupstadt zu urbanisieren. Im Büro des Wohnbaustadtrates von Buenos Aires herrscht eine große Expertise in der Arbeit in den sogenannten Villas Miserias, den informellen Siedlungen der Stadt. So sehr der Wohnungsbau als Programm einer Sozialen Stadtpolitik auch wieder Gehör findet, so erscheinen es nur Wiederauflagen alter typologischer Konzepte der Spätmoderne zu sein.

 

Das Entwurfsstudio stellte sich im Wintersemester den aktuellen Herausforderungen an das städtische Wohnen im metropolitanen Kontexten, fragte nach den Auswirkungen globaler Prozesse auf das städtische Umfeld, spürte räumliche Konflikte und Potentiale zwischen Informalität und Formalität auf, diskutierte und bewertete. Gerade dieses Spannungsfeld sollte uns auch die klassischen Trennungen zwischen Wohnen und Arbeiten hinterfragen lassen.

Welche Chancen bieten neue hybride Gebäudetypologien in innerstädtischen Kontexten für die Integration marginalisierter Gesellschaftsschichten? Wie muss das städtebauliche Umfeld beschaffen sein, damit diese neuen Stadtbausteine soziale, ökonomische und räumliche Zugänglichkeiten und Verbindungen begünstigen? Welchen Mehrwert können öffentliche Einrichtungen in den neuen Typologien bieten?

Das Studio förderte die integrale Debatte zwischen den Maßstäben, zwischen Konstruktion, Materialität bis hin zur städtischen Verflechtung, zwischen lokalem Potenzial und übergeordneter stadträumlicher Strategie und entwarf mit neuen Gebäude- und Freiraumtypologien Entwicklungsspielräume für eine soziale Stadt Buenos Aires. Dabei bedienten wir uns drei unterschiedlicher Ausgangssituationen: Dem leeren innerstädtischen Grundstück, der Integration mit einer bestehenden sozialen Einrichtung oder der Transformation industrieller Brachflächen.

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Prof. Peter Cheret (IBK1)
Marc Remshardt (IBK1)
Christiane Kolb

 

Studierende: Loff Victor, Stampoulidis Marina, Graf Vincent, Stobel Lena, Dirmeier Lea, Mezger Marlene, Schauder Pia, Jasmari Kastriot, Ratti Valentina, Schmidt Lisa, Ritter von Sporschill Maximilian, Bhowmik Dipayan, Von Rüdiger Philipp

Entwurfsergebnis: Lea Dirmeier und Lisa Schmidt

Das Grundstück im Süden La Bocas liegt an der Spannungsgrenze zwischen Touristik, Kulissenarchitektur und der oft harten Alltäglichkeit der Bewohner. Durch die Wirtschaftskrise im Jahr 2001 waren viele Menschen in Buenos Aires, aber vor allem auch aus der Umgebung dazu gezwungen, ihr Geld durch das Sammeln von Müll zu verdienen. Die sogenannten Kartoneros sind fester Bestandteil des Logistik Buenos Aires und erfüllen somit eine wichtige Aufgabe. Durch ihre Arbeit werden 13% des Mülls der Stadt recycelt. Die Idee war es, auf dem ausgewählten Block eine Cartonero-Initiative anzusiedeln, die sich dem Papier annimmt. Jeder südlich anschließende Block könnte die Weiterverarbeitung eines anderen Materials, wie Metall oder Glas zu Thema haben.

Das räumliche Leitbild des Entwurfes war es, die unterschiedlichen charakteristischen Nachbarschaften in das Bebauungsgebiet einfließen zu lassen und den Charakter der jeweiligen Einkerbung zum Thema zu machen. Die südliche Eingebung dient als Umschlagplatz für Materialien, die westliche greift das Thema des Grünflusses auf. Die östliche Einkerbung beherbergt das öffentliche Zentrum des Blocks und bildet zugleich den Vorplatz der Bibliothek aus und stellt damit den zentralen Ort des Ankommens dar.

Entwurfsergebnis: Marlene Mezger und Pia Schauder

Partner:

Universität Stuttgart, Institut für Baukonstruktion und Entwerfen Lehrstuhl 1 (IBK1), Stuttgart, Germany
Prof. Peter Cheret mit Dipl.-Ing. Marc Remshardt
Universität Stuttgart, Städtebauinstitut (SI), Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen, Stuttgart, Germany
Prof. Dr.-lng. Martina Baum mit MSc Christiane Kolb
Universidad Tecnica Federico Santa Maria, Departamento de Arquitectura, Valparaiso, Chile
Prof. Marcela Soto und Prof. Dr. Jorge Leon
Universidad de Buenos Aires, Facultad de Arquitectura, Posgrado lnternacional en Urbanismo, Buenos Aires, Argentina
Gast.-Prof. Markus Vogl, Walter Gropius Lehrstuhl (DAAD) mit Facundo Fernandez

 


Die örtliche oder räumliche Aneignung ist eine im allgemeinen Sprachgebrauch geläufige Formulierung, welche in der Stadtforschung jedoch keinem theoretischen Konzept entspricht. Unter dem Leitbegriff „polyvalente Alltagsorte“ wollen wir uns auf die Suche machen, wie sich alltägliche Nutzungen architektonisch und städtebaulich verankern – wie vielschichtig und polyvalent solche räumlichen Organisationen an einem Ort sein können und wie sich diese womöglich aus früheren Anforderungen transformiert haben.

Diese Orte und Räume der Mehrdeutigkeit, Ambivalenz und Vielfalt bieten den Nährboden für zukünftige Wandlungsprozesse, anhand derer wir Beziehungen neu deuten und denken wollen. Sie suggerieren Stabilität durch die Anmutung des Unfertigen und werden oftmals als Konstante gepflegt und wahrgenommen. Über die Untersuchung dieser raumbezogenen Identifikationsprozesse hinaus greifen wir alltägliche Dynamiken und lokale räumliche Potenziale auf, um die spezifischen Qualitäten des Ortes herauszuarbeiten und neue Möglichkeitsräume für ein urbanes Quartier zu entwerfen.

Dabei arbeiteten wir an der Schnittstelle zwischen Architektur und Städtebau auf unterschiedlichen Maßstabsebenen von lokalen Situationen bis zu gesamtstädtischen Verflechtungen, dachten in ortsspezifischen Potenzialen und übergeordneten Strategien, entwarfen neue Gebäude- und Freiraumtypologien und wollten damit neue Entwicklungsspielräume für eine urbane Gesellschaft entwerfen.

Die Abgabeleistung umfasste eine theoretische Auseinandersetzung, einen konzeptionellen und experimentellen Atlas sowie eine Entwurfsleistung im städtebaulichen Maßstab.

 

Entwurf: Bauschelastizität Polyvalente Alltagsorte, Noha Ramadan und Jonas Mattes

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Sascha Bauer
Sebastian Klawiter
Thorsten Stelter

 

Studierende: Alkan Mustafa, Becker Johanna, Celik Elif, Heitz Joscha, Krumbe Matthias, Mattes Jonas, Misyuryaeva Elizaveta, Moldaschl Silke, Ramadan Noha, Sarovic Jelena, Thomas Selina, Wan Kang, Yunar Kübra


Leitbegriffe wie „urbanes Quartier“ und „produktive Stadt“ thematisieren neue Kombinationsmöglichkeiten von Wohnen und Arbeiten. Sie skizzieren die Wiederentdeckung der Stadt als durchmischten und vernetzten Lebensraum einer vielschichtigen urbanen Gesellschaft. Durch die Industrie 4.0 verschieben sich Grenzen zwischen Typologien in Architektur und Freiraum und eröffnen auf Grund ihrer sauberen und effizienteren Produktionsabläufe und Wertschöpfungsketten neue Synergien mit dem Wohnen. Doch welches Bild von Stadt, welche Alltagsräume fördern Innovation und lassen Stadt wieder produktiv werden? Welche Rolle spielt dabei ein lebendiges und attraktives Umfeld und wie beeinflussen neuartige Firmenkonzepte die zukünftige Identität von Stadtquartieren?

 

Mit diesen Fragen befassten wir uns am letzten innerstädtischen Filetstück Stuttgarts – dem Gebiet um die Wagenhallen in Stuttgart Nord. Das durch die Planungen von Stuttgart 21 viel diskutierte Bahnareal bietet in seiner Mehrdeutigkeit, Ambivalenz und Vielfalt Chancen für die Entwicklung eines neu gedachten Quartiers. Dabei arbeiteten wir an der Schnittstelle zwischen Architektur und Städtebau. Zunächst entwarfen wir ein robustes städtebauliches Gerüst und näherten uns dann über die Typologie der konkreten Architektur, die dies ermöglicht.

 

SI | Städtebau-Institut – Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum

Christiane Kolb

Sascha Bauer

 

IRGE | Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens
Prof. Markus Allmann

Bettina Klinge

 

Studierende:

Ender Cicek, Leon Vohl, Philip von Rüdiger, Dipayan Bhowmik, Annemei Sofia Gerst, Theresa Huber, Anna-Lea Rohrbach, Johannes-Andreas Rau, Julian Lipp, Richard Königsdorfer, Paul Vogt, Stefan Keller, Luis Seider, Viviane Peiseler

 

 

Ergebnisse und Wettbewerb zum Entwurf Urbanes Quartier Generation 21 Stuttgart Nord
Preisgericht vom 27.07.2017

 

Ausgelobt von der

Robert Bosch GmbH, Stuttgart; Herr Dr. Michael Jantzer

 

in Kooperation mit den Instituten der Universität Stuttgart

 

SI | Städtebau-Institut – Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum, Christiane Kolb, Sascha Bauer

 

IRGE | Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens
Prof. Markus Allmann, Bettina Klinge

 

Juryvorsitzender:

Prof. Andreas Quednau (Leibniz Universität Hannover)

Jurymitglieder:

Robin Bischoff (Vorstand Kunstverein Wagenhalle e.V., Stuttgart)

Albert Fischer (Robert Bosch GmbH, Stuttgart)

Matthias Hahn (Bürgermeister a.D. für Städtebau und Umwelt, Stuttgart)

Dr. Michael Jantzer (Robert Bosch GmbH, Stuttgart)

Olga Ritter (Ritter Jockisch Architektur, München)

Gerko Schröder (TH Treibhaus Landschaftsarchitektur, Hamburg)

Prof. Stefan Werrer (FH Aachen)

 

 

Beurteilungstexte der Jury und die Preisgerichtsentscheidung sind nachfolgend den einzelnen Projekten zugeordnet.

 

 

 

Projekt 001
Titel: Stadträume
Verfasser: Richard Königsdorfer und Paul Vogt
Preis: 1. Preis

Die Arbeit „Stadträume“ stellt auf den ersten Blick eine brutale Intervention und Setzung im Stadtraum dar, die jedoch beim genaueren Hinsehen subtil auf das Umfeld reagiert und sich durch eine clevere Ausarbeitung im Detail auszeichnet. Der harte Kontrast zwischen lebendigen Höfen und grünem Umfeld erscheint reizvoll wie fremdartig.

Die vorgeschlagene Typologie der in Reihe geschalteten, miteinander verknüpften Doppelhöfe erinnert an Berliner Gewerbehöfe und wird als ein innovatives, robustes Grundgerüst für die gewünschte Nutzungsmischung in einem urbanen Quartier gesehen.

Abschnitte mit unterschiedlicher Gebäudetiefe reagieren gut auf den Kontext und eröffnen vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und Flexibilität. Durch die Öffnung des Rahmens an besonderen Anschlusspunkten zum Bestand, wie zum Trichterplatz oder an den Wagenhallen entstehen spannende Orte des Austauschs. Die wiederkehrenden, gleich großen Höfe bieten geeigneten Raum zur Aneignung, werfen jedoch Fragen hinsichtlich des Grads der Versiegelung sowie der Strukturierung von Öffentlichkeit, Gemeinschaftlichkeit und Privatheit auf.

Insgesamt wird die Arbeit als ein innovativer Diskussionsbeitrag für ein gemischt genutztes urbanes Quartier an einem besonderen Ort mit komplexen Rahmenbedingungen gewürdigt.

Projekt 002
Titel: Urbanes Quartier Stuttgart Nord: Pate 4.0
Verfasser: Julian Lipp und Johannes-Andreas Rau
Preis: 1. Preis

Der erweiterte Titel der Arbeit „Pate 4.0“ weckt die Neugier der Jury. Für die Entwicklung des neuen Stadtteils schlagen die Autoren ein „konzeptgebundenes Vergabesystem der Grundstücke“ vor, das in der Umsetzung der Ambivalenz des Titels gerecht werden könnte.

Die Beschäftigung mit den Akteuren und Prozessen von Stadtentwicklung wird begrüßt und führt zu einem eigenständigen Ansatz, der dem Ziel, ein modellhaftes Szenario für ein neues städtisches Quartier zu entwickeln, entspricht.

Grünräume entlang der alten Gleislinien umrahmen den neuen Stadtteil und verbinden ihn mit den benachbarten Parkanlagen – gleichzeitig wird die Insellage beibehalten, die die partikulare, introvertierte Struktur betont.

Die Fläche zwischen den ehemaligen Gleisanlagen wird von einem Pattern aus Plätzen und kompakten monolithischen Baukörpern bedeckt, die eine realistische, homogene bauliche Dichte erzeugen. Eine zentrale Erschließungsachse und Baufeld-gliedernde Querverbindungen zu den benachbarten Stadtteilen treten in den Hintergrund und überlassen Auto, Radfahrern und Fußgängern einen hierarchielosen „shared space“. Gemeinschaftsflächen im Erdgeschossbereich und auf Dachterrassen sowie gemeinsam genutzte Gästebereiche senken den individuellen Platzbedarf zugunsten sozialverträglicher Wohnkosten.

Die Gliederung und die differente Gestaltung der öffentlichen Bereiche, Höfe und Gebäude soll durch die Aneignung der Benutzer entstehen und in ihrer Vielfalt ein nachbarschaftliches Netzwerk abbilden.

Das „urbane Biotop“, das sich die Autoren für jedes einzelne Gebäudeensemble wünschen, hätte ein assoziativer Titel für die Arbeit sein können

Projekt 003
Titel: Heimat
Verfasser: Ender Cicek und Leon Vohl
Preis: Anerkennung

Das Projekt „Heimat“ fasziniert durch seine große Bandbreite von der Auseinandersetzung mit der Philosophie Adornos und ihrer Übertragung in einen Stadtbaustein für Wohnen und Arbeiten bis hin zur gelungenen Darstellung attraktiver räumlicher Atmosphären.

Über eine eigenständige Interpretation bekannter typologischer Elemente entsteht eine quadratische Blockfigur mit einem drei- bis viergeschossigen Rand für gewerblichen Nutzungen und einer mittig angeordneten fünf- bis sechsgeschossigen Wohnstruktur aus zusammengesetzten Kreisformen. In der Kombination mehrerer dieser Blöcke entstehen interessante kleinteilige Zwischenräume mit einer hohen Alltagstauglichkeit.

Auch wenn hinsichtlich der Maßstäblichkeit und insbesondere des Umgangs mit dem Ort durch die reine Addition der Blockfiguren Fragen bleiben, bildet die Arbeit dennoch einen sehr eigenständigen und offensichtlich mit viel Leidenschaft ausgearbeiteten Beitrag zu einem Quartier für die Generation 21 und regt so zur weiteren Diskussion nicht nur über mögliche spätere Aneignungsprozesse an.

 

 

 

Projekt 004
Titel: Stadthaus 2.0
Verfasser: Theresa Huber
Preis: Anerkennung

Die Verfasserin weist zwei sehr unterschiedliche Baufelder aus. Mit der Aufnahme des historischen Motives der Gleisanlagen wird ein nachvollziehbarer Bezug zum Ort geschaffen. Die daraus abgeleitete kleinteilige Stadthausstruktur mit den differenzierten Erschließungen für Fußgänger- und Fahrverkehr wird als Grundidee anerkannt, weist aber nicht in Richtung innovativer Ansätze im Umgang mit dem Thema. Sie führt bei der Zuordnung von Funktionen eher zu Zufälligkeiten, auch bei der Gestaltung der Außenräume.

Der Vorschlag einer großformatigen Hallenstruktur mit offenen Bereichen im Zusammenspiel mit den Wagenhallen ist nachvollziehbar. Die Zusammenführung der Hallenstruktur mit der kleinteiligen Stadthausstruktur ist in der geometrischen Ausformung gestalterisch jedoch nicht vollends befriedigend.

Insgesamt stellt der Beitrag vor allem einen interessanten Ansatz zur Auseinandersetzung mit dem Ort dar. Innovation wird allerdings vermisst.

 

Projekt 005
Titel: Habitat Nord
Verfasser: Philip von Rüdiger
Preis: Anerkennung

Die Arbeit „Habitat Nord“ zeichnet sich durch einen sensiblen Umgang mit der aktuellen Situation vor Ort aus. Anstatt der Aufgabenstellung zu folgen und ein urbanes Quartier mit entsprechend dichter Bebauung zu entwickeln, liegt der Fokus auf der Weiterentwicklung der Qualitäten der Außenflächen und der vorgefundenen Nutzung oder Bebauung.

Sowohl informell angeeignete Räume durch Künstler oder Urban Gardening, das Waggon-Atelier-Projekt auf Schienen, die Container City der Künstler, Flächen die sich die Natur zurückerobert hat, das zurückgebliebene Betonwerk oder eine große Beton-Fläche finden Berücksichtigung in einem prozessual entwickelten Freiraum. Das Gebiet wird zu einem Freiraum und Experimentierraum, einem Arbeits- und Freizeitraum, einem Inspirations- und Werkpark. Vorgefundene Strukturen werden umgenutzt und zweckentfremdet, weiterentwickelt, transformiert und im großen Umfang angeeignet. In den heterogenen rauen Freiraum werden vier pavillonartige Gebäude integriert, die in einer um einen Hof angeordneten Laubengangtypologie Flächen zum Wohnen und Arbeiten bieten. Die Gebäude fügen sich durch das lichte Erdgeschoss gut in den Freiraum ein.

Bei einer immobilienwirtschaftlichen Betrachtung erscheint der Beitrag aufgrund der vorgeschlagenen Dichte an diesem Standort jedoch kaum realisierbar. Das vorgeschlagene „Habitat Generation 21“ ist dennoch ein innovativer Beitrag für die Stadt- und Freiraumentwicklung der Region und der Stadt Stuttgart.

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Prof. Markus Allmann (IRGE)
Bettina Klinge (IRGE)
Sascha Bauer
Christiane Kolb

Studierende: Ender Cicek, Leon Vohl, Philip von Rüdiger, Dipayan Bhowmik, Annemei Sofia Gerst, Theresa Huber, Anna-Lea Rohrbach, Johannes-Andreas Rau, Julian Lipp, Richard Königsdorfer, Paul Vogt, Stefan Keller, Luis Seider, Viviane Peiseler, Anna Frank, Claudia Deppe


Rem Koolhaas argumentierte schon im Jahr 2001 in seinem „Harvard Guide to Shopping“, dass Shopping wohl die letzte verbliebene Form einer öffentlichen Tätigkeit sei. Er erforschte dabei mit seinen Studierenden Räume, Techniken, Ideologien und Erfindungen, mit denen Shopping so drastisch zur Transformation urbaner Räume in unseren Städten beigetragen hat.

Im Wintersemester 16/17 nehmen wir das Shopping-Center „Boven´t Y“ am Buikslotermeerplein im Norden Amsterdams unter die Lupe, da der bislang vergessene Stadtteil nördlich des Flusses IJ seit Ende der Finanzkrise einem hohen Entwicklungsdruck ausgesetzt ist. Eine Investorengruppe will aufgrund der neuen Zentralität direkt an der neuen Nord-Süd-U-Bahnlinie das bestehende Shopping-Center nicht nur renovieren, sondern durch eine großmaßstäbliche Erweiterung zur größten Mall Amsterdams umbauen. Somit steht der lange Zeit unangetastete Stadtteil vor großen räumlichen, ökonomischen und sozialen Transformationsprozessen.

Aus diesem Grunde begeben wir uns auf die Suche nach den alltäglichen Dynamiken und den lokalen räumlichen Potenzialen in Amsterdam Noord, arbeiten spezifische Qualitäten des Ortes heraus und entwerfen neue Möglichkeitsräume für ein urbanes Quartier. Den wichtigen und neuen Themen einer sich stetig erneuernden europäischen Stadt soll Raum verschafft werden: den urbanen Allmenden, einer sozialen Ökonomie, einem sozialen Wohnen und Arbeiten in der Stadt, einer inkludierenden Stadt.

 

Anfang November haben wir zusammen mit lokalen Akteuren vor Ort im Shopping-Center gearbeitet:

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Lynn Mayer
Markus Vogl
Isabel Zintl

 

Studierende:
Yang, Qianzi
Bollow, Tillmann
Rückert, Stefan
Kühnle, Dominic
Schendel, Jonas
Dapperger, René
Bournigal, Pamela
Gierl, Melina
Mitchell, Leonard
Otarbayeva, Baktybala
Tolj, Emilija
Yang, Yi
Wan, Kang
Mas Verge, Iván
Schaugg, Philipp
Lillo Castanos, Adrián
Stamm, Jonas
Bhowmik, Dipayan
Silberzahn, Anne
Schauder, Pia
Özge, Yazici
Mezger, Marlene
Ahmed, Ezzat

Projekt 01: Melina Gierl und Emilija Tolj

Basierend auf einer anthropologischen Theorie des niederländischen Kulturhistorikers, Johan Huizinga, befasst sich das Projekt mit dem Homo Ludens, dem Modell eines zweckfreien, genügsamen Menschen. Zusammenfassend bezeichnet Huizinga das Spielen als das Heraustreten aus dem eigentlichen Leben in eine zeitweilige Sphäre von Aktivität mit eigener Tendenz.

Fasziniert von dem Gedanken, eine Theorie mit Wirklichkeit zu verbinden, inspirierte besonders der niederländische Künstler, Constant Nieuwenhuys, da er den Leitgedanken des Homo Ludens mit Architektur und Stadtplanung verbunden hat.

Bezogen auf das Boven Het IJ, hat uns die Ästhetik des Widerstandes fasziniert. Die Mall, als ein Ort des Arbeitens und des Konsums, bekommt einen Gegenspieler. Dieser wird durch die aneignende Leere und die Gleichzeitigkeit von Stadt und Wald geprägt.

Im niederländischen Kontext spielt die Künstlichkeit der Natur eine große Rolle. Deshalb befasst sich der Entwurf mit dem Anti Naturfetisch, der mit dem Hauptbestandteil des Spielens, der Inszenierung, gleichzusetzen ist.

In der Ausführung wurden vier verschiedene Interventionen, die den oben beschriebenen Gedanken verkäuflichen, ausgearbeitet. Dabei handelt es sich um die Linie, den Teppich, das Dach und die Struktur. Bei allen vier Varianten steht der Bewusstseinswandel der Gesellschaft im Vordergrund. Dabei soll das Individuum den Ort auf verschiedene Arten erleben – jeder darf sich darin verlieren und seine eigene Bühne finden.


Als ein Kennzeichen der historisch gewachsenen europäischen Stadt wird die Nutzungsmischung innerhalb eines Gebäudes, dem Block und im Quartier seit Jahren diskutiert. Bisher konnten jedoch, aufgrund fehlender rechtlicher Rahmenbedingungen die entstandenen Konzepte vielfach nicht in die Umsetzung einfließen. Dies soll sich in den nächsten Jahren ändern. Das Studio untersucht und betrachtet, anhand des Planungsgebietes im Münchner Nordosten, architektonisch und städtebaulich Konzepte für die Koexistenz von Wohnen und Arbeiten im Quartier, auf einem Grundstück sowie im selben Haus. Die entwickelten Typologien, stehen in spannungsreicher, wechselseitiger Beziehung zu gewerblichen wie industriellen Einrichtungen, Arbeits-, Erholungs- und Begegnungsräumen.

 

Exemplarisch fragen wir:
Wie weit können verschiedene Nutzungen räumlich geschichtet und verwoben werden? Wie können auch alltägliche Nutzungen koexistieren und wo sind die Grenzen? Wie organisieren sich Gebäude und Quartiere, die Raum bieten für Mischung und Dichte? Wie adaptiv müssen bauliche Strukturen sein und welchen Beitrag leisten sie zur Urbanität? Wie kann ein Gebäude und Quartier als Arbeits- und Lebensort gleichermaßen attraktiv sein?

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Lynn Mayer
Constantin Hörburger
Thorsten Stelter

Studierende: Alina Gold, Luka Kettering, Dorothee Limbach, Nicole Ottmann, Wiebke Richter, Tobias Seith

Projekt 01: Alina Gold

Der Entwurf entsteht aus der genauen Untersuchung und Definition des Begriffs Urbanität. Auf soziologische Ebene ist Urbanität Kultur und das Bildungsversprechen für jeden, soziale Heterogenität, demokratische Strukturen und der Umgang mit Erfahrung. Urbanität gestaltet sich vor allem durch Stadtidentität. Architektur für den spezifischen Ort München Nord- Ost wird durch Elektrizismus erreicht. Vorhandene identitätsprägende Elemente wie die aufgelockerte Bebauung, das Satteldach, die Weite, die Landwirtschaft, das Wasser und die Arkade werden aufgegriffen und neu zusammengesetzt. Ein weiterer wichtiger gestalterischer Aspekt für Urbanität ist die Funktionsmischung und die erkennbare urbane Nutzung im Sockelbereich. Auf städtebaulicher Ebene wird eine bewusste konzentrierte und punktuelle Setzung der entstandenen Typologien(gruppen) vorgenommen. Somit manifestiert sich das Thema der Enge und Weite auch auf städtebaulicher Ebene.

Projekt 02: Dorothee Limbach


„Die Wirklichkeit liebt die Symmetrien und die leichten Anachronismen … Die Stadt hatte um 7 Uhr früh noch nicht das Aussehen eines alten Hauses eingebüßt, das ihr die Nacht zu geben pflegte; die Straßen waren wie lange Gänge, die Plätze wie Höfe. Dahlmann erkannte sie mit einem Gefühl von Glück und einem Hauch von Schwindel wieder; Sekunden bevor seine Augen sie entdeckten, erinnerte er sich an die Straßenkreuzungen, die Anschlagsäulen, an die bescheidenen Unterschiede im Stadtbild von Buenos Aires. Im gelben Licht des neuen Tages kamen alle Dinge zu ihm zurück. Jedermann weiß, daß der »Süden« jenseits der Straße Rivadavia beginnt. Dahlmann sagte immer, daß das keine bloße Redensart ist, daß, wer diese Straße überquert, eine ältere und festere Welt betritt.“ (Borges, J. L. (2013): Fiktionen, S.156)

 

Im Entwurf und in der Sommerschule „Complex City Laboratory“ entwerfen in enger Zusammenarbeit Studierende, Lehrende, wichtige Interessensvertreter und lokale Akteure spezifische räumliche Entwicklungspotentiale für eine resiliente Integration der fragmentierten und marginalisierten Stadtbezirke im Süden der Hauptstadt Buenos Aires. Studierende der Fachbereiche Architektur und Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Raumplanung der FADU-UBA Buenos Aires, der TU Delft, der SLU Malmö, der École nationale supérieure d´architecture et de paysage de Bordeaux und der Fakultät für Architektur und Stadtplanung der Universität Stuttgart arbeiten gemeinsam vor Ort in den Stadtteilen Comuna 8 und Comuna 9. Mit internationalen und interdisziplinären Entwurfsteams arbeiten an räumlichen Strategien für eine Integration dieser marginalisierten Stadtteile im Süden der Hauptstadt Argentiniens. Dabei beschäftigen wir uns mit einem mehr- oder mindergeordneten Meer von extensiv genutzten Industrieanlagen, Produktions- und Lagerflächen, neben denen die Autisten mehrerer Großwohnsiedlungen scheinbar unbeteiligt stehen, vermittelt vielleicht durch die schwer in ihrer Sozialräumlichkeit und Physiognomie greifbaren Strukturen vernachlässigter Wohn- und Elendsviertel.

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum, Prof. Antje Stokman
Christiane Kolb
Markus Vogl

 

Studierende:
Blüthgen, Anne-Marie; Boley, Kim; Buchs, Martina; Corredor, Laura; Dickmann, Svenja; Gemmece, Paul; Jehle, Lisa; Krämer, Kristina; Looser, Dominik; Pardo, Susanne; Roth, Marion; Tilke, Dennis; Ulrich, Alexandra; Chana, Chana; Frank, Anna; Kast, Hannah; Nichtern, Charis; Ort, Jan-Timo; Philipp, Anton; Rau, Bente; Schmidt, Mareike; Väth, Monica


Urbane Transformationen entlang des Kanals

Die Kanalzone im Westen des Zentrums zeigt sich in einem facettenreichen Bilderspektrum – Bilder von Hafenanlagen, Bauindustrie, extensiv genutzten Produktions- und Lagerflächen, aber auch Bilder vernachlässigter Wohnviertel mit einem hohen Anteil einer jungen und internationalen Bevölkerung aus niedrigen Bildungsschichten.

 

Nach Jahrzehnten der Vernachlässigung durch die Stadtpolitik wurde der Kanal wieder auf die Bühne städtebaulicher Betrachtungen gehoben. Durch die neue Aufmerksamkeit seitens der Planung, der Medien und der Investoren wird der Entwicklungsdruck am Kanal größer und bisherige urbane Freiräume für die ansässige Bevölkerung und Firmen immer kleiner.

Im Wintersemester 2015/16 waren wir auf der Suche nach den lokalen Dynamiken und den räumlichen Potenzialen entlang der Kanalzone in Brüssel. Es wurde auf unterschiedlichen Maßstabsebenen gearbeitet, von lokalen Situationen bis zu gesamtstädtischen Verflechtungen, in lokalen Potenzialen gedacht und übergeordneten Strategien entwickelt. Neue Gebäude- und Freiraumtypologien wurden entworfen und durch Vernetzung und Verdichtung wurde die Kanalzone so transformiert, dass neue Entwicklungsspielräume für die urbane Gesellschaft Brüssels entstehen können.

 

Ein Workshop im Abattoir Brüssel: Studenten einer lokalen NGO und Geflüchtete kochten gemeinsam.
November 2015

Weiterführender Link zum Blog des Workshops: http://studiobrx.tumblr.com/

Weiterführender Link einem Video: http://studiobrx.tumblr.com/post/135242141732

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Christiane Kolb
Markus Vogl

Bild: Sabine Kastner, Anna Ludwig

Projekt 01: Sabine Kastner, Ann-Kathrin Ludwig

Projekt 02: Kettering, Mattes, Philipp

Markt bedeutete schon immer reges Treiben. Ein Aufeinandertreffen verschiedenster Menschen und das Zentrum von Stadt. Ein Großmarkt steht wie nichts Vergleichbares für unser täglich Brot. In der Erkenntnis, dass der Großmarkt ein essenzieller Teil der Stadt ist, waren Überlegungen Ihn auszulagern für uns schnell, ausgeschlossen. Doch wie kann man eine Institution in ihrer Grundform erhalten, aber gleichzeitig wieder in das städtischen Leben, der Mischung und dem Konfliktverhältnis des Urbanen, integrieren? Eine naheliegende Lösung war dabei die Bespieglung der Flächen tagsüber, da sie dort, ihrer Hauptaufgabe beraubt, ungenutzt vor sich hin vegetieren. Doch mit dieser Bespielung stellte sich auch gleichzeitig die Frage, wie eine angemessene Sogwirkung von dem Areal ausgehen kann, dass genügend Menschen für das Funktionieren des Raumes gefunden werden. Außerdem muss sich die Frage gestellt werden, inwieweit das nicht eine beliebige Maßnahme ist, was aber das Spezielle und einzigartige Potenzial der Institution Großmarkt völlig außer

Acht lässt. Deswegen wurde relativ schnell klar, dass neue Nutzungen auch immer mit dem Inhalt, der Programmatik des Marktes harmonieren, wenn nicht sogar eine Symbiose eingehen sollten. Schließlich ist eine Mischung der Nutzungen sinnvoll, berührt allerdings Markt als Solches nicht. Denn es ist nicht mit einer bloßen Bekenntnis zum Markt

getan. In der aktiven Entscheidung den Markt genau an seiner jetzigen Stelle innerhalb der Stadt zu lassen, muss dieser auch so gefördert werden, dass einerseits für Händler und Kunden eine qualitätsvolle und sichere Zukunft geschaffen wird und andererseits die Menschen der Stadt wieder mit diesem Ort umgehen können.


Studio Stuttgart - Kessel Mitte West; Stadt planen zwischen Leitbild und Akupunktur

Als politisches, wirtschaftliches, kulturelles und soziales Zentrum ist Stuttgarts Mitte Imageträger von Stadt, Land und Region. In den letzten Jahren wurden vermehrt neue Setzungen und punktuelle Aufwertungsmaßnahmen verschiedener Randlagen der Innenstadt in den Fokus gedrängt. Diese Bereiche zwischen historischer Mitte und autogerechter Stadt sind stark in die Jahre gekommen. Sie sind geprägt von nüchternen Zweckbauten der Nachkriegszeit, vielfach dominiert von den Bedürfnissen des Verkehrs mit unbefriedigenden öffentlichen Räumen und mindergenutzten Hinterhofsituationen. Mehrere tausend Quadratmeter Verkaufsfläche und ein beginnender Veränderungsdruck werfen die Frage nach der zukünftigen Rolle dieser Stadtquartiere auf! Wie sollen sich die Stadträume und das Stadtbild verändern? Wie sieht die urbane Mischung aus? Das Entwurfsstudio versuchte, durch analytische, phänomenologische und innovative Beiträge neue Impulse für die lokale Debatte über die Zukunft der Stadt zu bieten.

Der Entwurf „Die Rückeroberung der Stadt“ unternimmt den Versuch, Mobilität im Stadtraum neu zu definieren. Unter dem Anspruch „100% Raum“ wird die Rolle der Straße im Stadtorganismus neu interpretiert und eröffnet abseits klassischer Entwicklungsflächen ein enormes stadträumliches Potenzial. Die Qualität der Arbeit liegt in der differenzierten Ausformulierung städtebaulicher Beziehungen und im kreativen Umgang mit den Straßenbauwerken der Nachkriegsmoderne.
Mehrere typologische Adaptierungen ermöglichen neue urbane Aufenthaltsorte und eine identitätsstiftende Raumfolge. Die räumlichen und programmatischen Beziehungen werden in Bezug gesetzt und städtische Räume geschaffen. Dabei bauen die Verfasser auf dem Vorhandenen auf, entwickeln das Bestehende weiter und intervenieren mit neuen Setzungen, die die Geschichten des Ortes an der Hauptstätter Straße weiterschreiben können.

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Studio Kessel Mitte West
Prof. Dr. Martina Baum
Lynn Mayer
Thorsten Stelter

Studierende: Aichele Lea , Bollongino Simon, Lapel Garagatti Jonathan, Lazarova Kristin, Higi Leonard, Hocker Aileen, Karbach Magdalena, Schmidt Mareike, Schlegel Franziska, Strauß Milena-Louisa


Zürich wächst, Zürich plant und Zürich baut!
Die hohe Lebensqualität prägt maßgeblich das Stadtbild. Die Stadtplanung findet internationale Anerkennung und bekennt sich zur Wiederentdeckung der Planung im Städtebau. Sie fokussiert auf einen „Konzeptionellen Städtebau“, der mehr will als die Addition einzelner Baugebiete und verfolgt dabei Strategien, die verschiedenen Akteure frühzeitig zur konstruktiven Zusammenarbeit anzuleiten.

 

Das Entwurfsstudio sucht nach innovativen Strukturkonzepten und Typologien, die das Hermetschloo-Areal in Zürich-Altstetten zu einem nachhaltig produktiven Ort für die Stadt Zürich umbauen können. Um vorhandene Potenziale als Quellen einer zukünftigen Entwicklung aufzuspüren, versuchen die Studierenden in einer vielschichtigen Analyse, Kenntnis über die übergeordneten räumlichen Zusammenhänge zu erlangen. Nicht nur sozialräumliche, sondern auch funktionale und ökonomische Abhängigkeiten werden kartiert, decodiert und produktiv für die weiteren Entwurfsschritte verwendet.

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Thorsten Stelter
Markus Vogl

 

Studierende:
Eisele Thekla,
Elskyte Deimante,
Gemmeke Paul,
Kretschmer Johanna,
Liaudanskyte Dovile,
Martinez Nunez Clara,
Menzel Hendric,
Osterstock Christian,
Raczkowska Katarzyna,
Thanou Anastasia,
Thomae Anamarija


Wien ist anders. So wirbt das Stadtmarketing und verweist stolz auf ihre Position in den internationalen Rankings über die Lebensqualität in den Städten. Für 2030 erwartet die ehemalige Kaiserstadt wieder zwei Millionen Einwohner und gilt damit als die am stärksten wachsende deutschsprachige Stadt. Dienstleistungen, Verwaltung, Tourismus, Kunst und Kultur bieten allerdings nicht die notwendige nachhaltige ökonomische Basis für die Zukunft der Bundeshauptstadt. Gerade kleinere produzierende Betriebe verlagern immer häufiger ihre Unternehmen nach Niederösterreich. Die Magistratsabteilungen sind nun gefordert Gebiete der Produktivität in der Stadt zu sichern.

 

Das Entwurfsstudio „Urban Hybrid“ entwickelte Szenarien für ein eigenständiges  produktives Stadtquartier im 21. Wiener Gemeindebezirk. Die Ausgangslage am U-Bahnhof Aderklaaer Straße, in einem typisch gewerblich und industriell geprägten Gebiet mit Hallen, Lagerflächen und eingestreuten Produktionsstätten am nördlichen Stadteingang, ist von der Vision einer produktiven urbanen Landschaft noch weit entfernt. Der Neubau eines Shoppingcenters und zweier Wohntürme östlich des Bahnhofes zeugt von einer ökonomischen Aufwertung des Areals und dem somit entstandenen Transformationsdruck entlang der U-Bahntrasse. Wie weit können verschiedene Nutzungen räumlich geschichtet, verwoben werden oder verschmelzen? Welche Formen der Dichte und der Funktionsmischung entsprechen zukünftigen Bedürfnissen der Stadtgesellschaft?

 

Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Thorsten Stelter
Markus Vogl
Kristin Lazarova und Leonard Higi
Ananda-Michael Berger und Julian Bollinger

Projekt 01: Kristin Lazarova und Leonard Higi

Im Gegensatz zum klassischen Städtebau, wo ein erwünschter Endzustand für einen bestimmten Auftraggeber entworfen wird, steht die Vitalität, Spontanität, Anpassungs- und Veränderungsfähigkeit der etappenweise formulierten Quartiers- und Stadtentwicklung. die Stadtplaner heute müssen sich mit der prozessualen transformation der Stadt auseinandersetzen und Strategien entwickeln, die „strukturelle Planungen mit prozessorientierten, offenen Entwicklungsansätzen kombinieren“.

Das Gebiet Aderklaaerstrasse wird als eine Art ‚urban lab‘ gesehen, da es sich bei dessen Planung nicht um einen fertigen Entwurf handelt, sondern um einen Vorschlag, wie man Stadtplanung anders denken könnte, indem man mit allen beteiligten Akteuren interaktiv und ergebnisoffen agiert.

Im Prozess ist die Schaffung von Urbanität durch Hybridität von wesentlicher Bedeutung. Ziel ist die Entstehung von Synergien auf verschiedenen Ebenen: in der räumlichen und funktionalen Dimension (durch Nutzungsvielfalt und funktionale Mischung im Stadtraum), sowie in der sozialen Dimension (Überlagerungen verschiedener Lebenswelten). Der städtische Raum wird als Ort der Begegnung, Austausch, Vernetzung, gegenseitiger Unterstützung definiert.

Projekt 02: Ananda-Michael Berger und Julian Bollinger

Das Umfeld des inzwischen fast fertiggestellten Citygates ist geprägt durch heterogene Bebauungsstrukturen. Von großen Wohnsiedlungen, über Zeilen und Einfamilienhäusern bis hin zur Kleingartensiedlung präsentiert sich regelrecht ein Experimentierfeld des Städtebaus. Die Bildung von Insel-ähnlichen Gruppierungen, wird durch das hermetisch wirkende Citygate fortgesetzt. Dieses soll im Zeichen der Entwicklung des Wiener Randbezirks als Zentrum des Viertels fungieren. Problematisch dabei ist nicht der Ansatz einer neuen Mitte, sondern vielmehr die unmittelbare Umgebung. Grenzen und Barrieren in Form von Gewerbe- und Brachflächen erschweren insbesondere Passanten und Radfahrern die direkte Anbindung und Durchwegung in die angrenzenden Quartiere. Hinzu kommt die durch Kraftfahrzeuge stark frequentierte Wagramer Straße, eine der wichtigsten Erschließungsachsen vom Zentrum Wiens in die Randbezirke der Stadt. Dabei stellt die Wagramer Straße über die Donau hinweg einen großen Straßenraum dar und verläuft über 8 Kilometer nahezu geradlinig bis zum Citygate, ehe sie sich von dort aus seitlich einer ehemaligen Mülldeponie im leeren Raum verliert. Ein prägnanter Start- und Endpunkt der Achse ist trotz der stattlichen Erscheinung des Citygates nicht wirklich gegeben. Symptomatisch für die Situation befindet sich das Citygate an der Schnittstelle des 21. und und 22. Wiener Stadtbezirks, dem Übergang der Stadt Wien und dem angrenzenden Bundesland Niederösterreich, sowie im Spannungsfeld von unterschiedlichen, isolierten Wohnsiedlungen und dem Gewerbegebiet Rautenweg. Mit den Erkenntnissen der umfangreichen Analyse bedarf es einer Klärung der bestehenden Verkehrssituation. Dabei soll am Beginn, beziehungsweise am Ende der Wagramer Straße ein städtebaulicher Akzent gesetzt werden. Das Citygate wird dabei als Impulsgeber eingebunden und erhält so ein neues Gesicht. Die Wagramer Straße soll in Zukunft nicht mehr wie bisher undefiniert in das ländliche Umfeld abschweifen, sondern die Umlenkung in den Rautenweg mit dem Anschluss an den Autobahnzubringer erfolgen. Dafür wird die Wagramer Straße im Bereich des Citygates begradigt und ermöglicht so mit der gewonnenen Fläche Raum für die Entwicklung eines städtischen Platzraums am Anfang und Ende der Achse, welche das Areal unmittelbar mit der Innenstadt Wien verbindet. Der Platz soll in Zukunft durch verschiedene Attraktoren mit öffentlichen Nutzungen bespielt werden und der breiten Bevölkerung und den Berufstätigen zur Verfügung stehen. Die Empfehlung von weiteren Hochpunkten ergänzen im angemessenen Rahmen die Hochhaussilhouette des Citygates und bilden zum Einen eine Torsituation in das Areal und stärken zudem den Gedanken der Umlenkung der Hauptverkehrsrichtung am Ende der Wagramer Straße. Spürbar werten die präganten Grünräume die Situation auf. Die bestehende Grünachse entlang der Wagramer Straße wird gestärkt und bis zum Citygate fortgesetzt. Dabei werden unterschiedliche Facetten an Grünraumthemen bedient und bilden einen spannungsvollen und lebendigen Freiraum mit Aufenthaltsqualitäten, trotz der direkt angrenzden Straße stark befahrenen Straße.