Kuratorische Raumpraxis
MasterarbeitenMoses Benz
Eine Untersuchung der alltäglichen Rituale, der materiellen Spuren und der gemeinsamen Wege
Meine Arbeit untersucht, wie Orte verstanden werden können, bevor sie gestaltet werden, und entwickelt dafür eine kuratorische Raumpraxis. Das begleitende Buch bildet den theoretischen Rahmen: Es beschreibt, wie Rituale, Atmosphären und alltägliche Handlungen Orte prägen, welche Bedeutung in ihren materiellen und immateriellen Schichten steckt und warum klassische Planung diese Feinheiten oft übersieht. Durch wiederholtes Gehen, Beobachten und Zuhören entstand ein vielschichtiges Bild des Neckarraums in Bad Cannstatt, das nicht aus einer Analyse von oben, sondern aus gelebter Nähe hervorgegangen ist.
Die Ausstellung übersetzt diese Erkenntnisse in sinnliche Fragmente: Steinschreine, Tonobjekte, Fotografien, Videos und ein Skript machen das Prozesshafte, Unfertige und Überlagerte des Ortes erfahrbar. Eine Brunneninstallation bringt das Elementare und die sozialen Rituale des Wasserholens in den Raum. Zudem habe ich andere eingeladen, den Ort selbst zu durchlaufen und zu dokumentieren; ihre Beiträge erweitern die Perspektive und machen spürbar, dass der kleinste Eingriff nicht im Raum beginnt, sondern in der Wahrnehmung.