Studio Erde und Luft

Entwürfe

Erde ist schwer, widerstandsfähig und stabilisierend, kann aber auch spröde und unnachgiebig sein. Seit jeher bildet sie das Fundament, auf dem wir stehen, bauen und kultivieren. Boden kann fruchtbar und durchlässig sein – er absorbiert Regen, filtert Wasser und erhält vielfältiges Leben. Heute jedoch wird er zunehmend durch Bauvorhaben und Urbanisierung versiegelt. In diesem Wandel wird die Erde nicht nur zum Bau- und Anbaugrund, sondern auch zu einem Medium, das Fragen nach Ressourcen, Ökologie und räumlicher Gerechtigkeit aufwirft.

Luft ist unsichtbar, beweglich und allgegenwärtig. Sie beeinflusst unsere Wahrnehmung und die Atmosphäre. Ohne Luft gäbe es kein Atmen, keine Stimme, keine Geräusche, keine Gerüche. Luft transportiert außerdem Wärme, Feuchtigkeit und Stürme und verteilt so klimatische Kräfte über Regionen bis in die kleinsten Stadthöfe. Gleichzeitig dient es der passiven Kühlung, Verdunstung und Belüftung, kann Überhitzung mildern, Innenräume und Straßen erfrischen und Mikroklimata bewohnbarer machen.

Das Studio untersucht das Zusammenspiel von Luft und Erde mit der gebauten Umwelt. Die beiden Urelemente verweisen auf aktuelle Herausforderungen, wie Klimakatastrophe, Urbanisierungsdruck, Ausbeutung von Ressourcen und Mangel an Infrastrukturen und Architekturen, für soziale und ökologische Resilienz.

Im Rahmen des Entwurfsstudios entwerfen wir räumliche Antworten auf solche Herausforderungen in Valencia, eine pulsierende spanische Stadt am Mittelmeer mit einer jahrhundertealten Kulturlandschaft, die sie umgibt. Extremwetterereignisse verändern hier die Lebensbedingungen radikal: Wie müssen Städtebau, Architektur und Freiräume weiterentwickelt, adaptiert oder verändert werden? Was bedarf es räumlich für sozial-ökologische Resilienz und Infrastrukturen für extremes Klima.

Exkursion Valencia

Arbeiten der Studierenden 

„Neue Genossenschaft Picanya“

 

Ellen Ahrens und Fabienne Isele

 

Der Entwurf versteht die Schnittstelle zwischen Picanya und der Huerta als Verbindungsraum zwischen Stadt, Landwirtschaft und Gemeinschaft. Ziel ist es, die lokale Landwirtschaft zu stärken, regionale Wertschöpfung zu fördern und die Beziehung zur Kulturlandschaft neu zu beleben. Ausgangspunkt ist die Reaktivierung eines ehemaligen Genossenschaftsgebäudes, das zu einer zeitgemäßen Zitrusgenossenschaft umgenutzt wird. Landwirtinnen und Landwirte teilen Maschinen, tauschen Wissen aus und verarbeiten sowie vermarkten ihre Erzeugnisse gemeinschaftlich. Ein neuer Innenhof öffnet das Gebäude zur Huerta und macht den Übergang zwischen Architektur und Landschaft erlebbar. Modulare Regale mit integrierten Lehmbauelementen strukturieren die Räume und ermöglichen flexible Nutzungen. Natürliche Nachtlüftung über Innenhof und drehbare Wandelemente aktiviert die thermische Masse der Lehmwände; tagsüber wird Frischluft über einen Erdkanal vorgekühlt. Der Freiraum wird als produktive Landschaft weiterentwickelt: Zitrusbäume verbinden Felder und Markthalle, der urbane Wald wird erweitert und eine neue Plantage stärkt den Bezug zur Huerta.

„Experimentierfeld“

 

Serafin Lindau und Jule Seeger

 

Das Experimentierfeld untersucht Erde und Luft als Schlüssel für eine resilientere Horta de Valencia. Im Fokus stehen die Möglichkeiten von Agroforstwirtschaft und Terra preta – sowie ihre räumliche Umsetzung. Stein- und Korkeichen sowie Pappeln diversifizieren die Erträge und stärken die Resilienz der Böden. Ihre Erzeugnisse können als Baustoffe genutzt oder zusammen mit Agrarabfällen durch Pyrolyse in Pflanzenkohle umgewandelt werden – die Grundlage fruchtbarer Terra preta, die zur Bodenregeneration genutzt wird. Dies wird durch ein dezentrales Netz von Speichergebäuden ermöglicht kombiniert, wenn nötig, mit einer Ofenstruktur, die als Orientierungspunkt dient, an dem die Pyrolyse stattfindet.
Ein Austauschforum zum Forschen und Experimentieren bildet die Keimzelle dieser Pilotentwicklung. Im Schwellenraum zwischen einem suburbanen Vorort und der Horta kann hierfür ein altes Bauernhaus durch zwei Hauptinterventionen aktiviert werden: zum einen wird die Erschließung als Verlängerung des Gehwegs in den öffentlichen Teil des Gebäudes gelegt. Außerdem wird das Scheunendach zurückgebaut, ein zentraler Patio entsteht, der Materialbibliothek und Werkstätten erschließt. Hier wird das Haus selbst zum Experimentierfeld für Lehmsteine und Schilfmatten, aus denen seine Wände konstruiert sind.

„Nuevo Centro Verde Benetússer“

 

Juliane Eichinger und Fabienne Fink

 

Unser Projekt in Benetússer reagiert auf die hohe Bebauungsdichte und den Mangel an Grün- und Aufenthaltsräumen. Als Initialprojekt zur Reaktivierung des Ortes entsiegelt es versiegelte Flächen, schafft neue Freiräume und wertet den Straßenraum auf. Eine durchgängige Grünachse verbindet diese Räume und verbessert Mikroklima sowie Klimaresilienz. Als Standort dienen zwei Bestandsgebäude und die Parkplatzfläche hinter der Fábrica de Meivel an der zentralen Wegeverbindung zwischen Bahnhof und Ortszentrum. Dort entsteht ein mediterraner Mikroforest mit klimaangepassten Baumarten, Retentionsbecken und Biotop, die Regenwasser speichern, Versickerung fördern und durch Verschattung sowie Verdunstung das Mikroklima verbessern. Die Bewässerung erfolgt über das historische Acequia-System. Ergänzt wird der Freiraum durch semipermeable Keramikelemente, helle Wege sowie Aufenthalts-, Sport- und Veranstaltungsflächen. Die Casa Rodrigo wird zum Makerspace, die denkmalgeschützte Fábrica de Meivel mit Klimashelter, Café und Veranstaltungsräumen zum öffentlichen Mittelpunkt. So entsteht ein klimaresilientes Zentrum, das Freiraum, Gemeinschaft und Industriegeschichte verbindet.

„LHorta er(le)ben“

 

Catharina Schwarz de Campus und Nives Smolcic

 

Lehrteam SuE

 

Felix Haußmann

Rocio Conesa Sanchez

Prof. Dr. Martina Baum

 

Kooperation mit Universitat Politècnica de Valencia
Gäste: Prof. Francisco Martínez Pérez und Prof. Julia Deltoro Soto (Universitat Politècnica de Valencia), Prof. Klaus K. Loenhart (TU Graz), Prof. Markus Vogl (Kunst Universität Linz), Prof. Marléne Witry (HFT Stuttgart), Dr. Matilde Igual Capdevila, Dr. Jorge Ramón Ros (Per L’Horta), Gintare Norkunaite (Posad Maxwan), Paco, Pepa y Amparo (Huertos Urbanos Vecinales Autogestionados de Benimaclet).

Lehrstuhl Städtebau und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum