Stadt-Körper-Ritual
SeminareIn dem Seminar Stadt-Körper-Ritual erforschten wir die gesellschaftliche wie die räumliche Bedeutung und Ambiguität von Ritualen für die zeitgenössische Stadt.
Rituale sind choreografierte, sich wiederholende Handlungen, die zu bestimmten Zeiten und in definierten sozialen Kontexten gemeinschaftlich oder individuell vollzogen werden. Sie folgen einem höheren Sinn, der die Rituale legitimiert, indem diese das vorherrschende Chaos der Welt ordnen. Durch das spiegeln und vermitteln von gesellschaftlichen Werten, geben Rituale Orientierung und stabilisieren oder verschieben kulturelle Grenzen. Ihre symbolische Bedeutung verkörpern sie dabei durch Gesten, Handlungsabläufe und Requisiten.
Rituale finden im analogen Raum statt. In diesem begibt man sich sinnlich und mental in einen bestimmten Zustand. Rituale besetzen den Raum mit einer Gestimmtheit, sie schreiben sich in ihn ein oder spannen ihn performativ auf. In diesen Aspekten der Involviertheit und verkörperten Präsenz in Raum und Zeit sehen wir Potenzial für Architektur, Städtebau und Gesellschaft. Hier werden Resonanzbeziehungen innerhalb heterogener Gesellschaften sowie zwischen Menschen, Raum und Umwelt, die aktuell verloren gehen, erneut möglich.
In einer ersten Phase sammelten und untersuchten wir bestehende sowie historische Rituale in Süddeutschland und darüber hinaus. Ziel war eine intensive und reflektierte Annäherung an die körperlichen, architektonischen und städtischen Maßstäbe von Ritualen. Die Zeichnung, insbesondere in Form von Mappings, diente als zentrales Werkzeug, um Zusammenhänge zwischen den räumlichen, zeitlichen und narrativen Dimensionen der Rituale zu erfassen. Durch Vorträge des Philosophen und Religionswissenschaftlers Prof. Dr. David Krieger und dem Architekturkollektiv forty five degrees entwickelten und schärften wir unseren eigenen Ritualbegriff in Bezug zum Raum. Ausgehend von Fundstücken aus der Recherche erprobten wir in einer zweiten Phase eigene Rituale im Stadtraum von Stuttgart, die auf aktuelle Fragen des städtischen Zusammenlebens reagierten. Bei der Übersetzung der Themen in performative Abläufe half uns das Citizen Kane Kollektiv im Rahmen eines Workshops.
Die im Seminar durchgeführte Recherche und die entwickelten Erkenntnisse arbeiteten wir in einem Trendbook auf.
Lehrteam SuE
Leonie Link
Prof. Dr. Martina Baum
Lisa Beuchle
Gäste
Prof. Dr. David Krieger
Forty five degrees: Alkistis Thomidou, Berta Gutiérrez Casaos
Citizen Kane Kollektiv: Christian Müller, Maximilian Sprenger
Lehrstuhl Städtebau und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum