Täglich
Forschungsprojekte
Das Forschungsprojekt „Täglich“ basiert auf der langjährigen Beschäftigung des Lehrstuhls zu den räumlichen Grundlagen für Interaktion und Austausch in der Stadt.
Folgende Forschungsfrage leitet das Projekt: Wie kann Stadt ein integrativer und produktiver Ort sein, im normativen Konzept der Europäischen Stadt, bekannt als öffentlicher Raum?
Wir eröffneten eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Öffentlichkeit und öffentlicher Raum: seiner Rolle, seinen Aufgaben und seinem Beitrag, aber auch seiner räumlichen, architektonischen Form.
Im Rahmen des Forschungsprojekt stellen wir einerseits die Erkenntnisse aus internationalen Beispielen dar, die als Transfer für die Entwicklung eines öffentlichen Gebäudes genutzt werden können. Über diese deskriptive Forschung hinaus arbeiten wir mittels entwurfsbasierter Forschungsmethoden am räumlichen wie auch organisatorischen Rahmenwerk. Als planende Disziplinen möchten wir insbesondere Antworten zu den räumlichen Grundlagen, der Architektur eines »Täglich« geben. Architektur kann für das »Täglich« nicht rein auf das gebaute Objekt bezogen werden, sondern entwickelt sich aus und mit dem Kontext und entfaltet seine Qualität erst durch die aktive Inbesitznahme und Identifikation der Nutzer*innen mit dem Projekt.
Das »Täglich« als radikal öffentliches und inklusives Gebäude haben wir als Konzept entwickelt. Es ist ein Ort des intensiven Austauschs: Ein produktiver Ort, der die Potenziale jeder einzelnen Stadtbürger*in wertschätzt und Raum bietet, diese Kenntnisse oder Interessen zu entdecken und weiterzugeben. Jede und jeder kann sich einbringen, alles kann ein wertvoller Beitrag für die Stadtgesellschaft sein. Es ist der Ort, an dem Aushandlungsprozesse und Diskurse über unser Zusammenleben in einer heterogenen Gesellschaft räumlich werden. Durch seine Nutzungsoffenheit und räumlichen Angebote bietet es den Ort, Dinge, Werte und Wissen durch das eigene Tun zu schaffen. Räumlich wie sozial befähigt es zur Mündigkeit und Teilhabe an der Gestaltung einer urbanen Gesellschaft: Konsumenten werden Gestalter*innen. Das »Täglich« ist ein Riff unterschiedlicher Qualitäten und Ausstattung: ein Raumangebot. Es hat kein klar definiertes Programm oder Nutzungsspektrum, es deckt nicht in erster Linie vermeintliche Bedarfe, sondern soll dazu anregen und ermuntern, neuen Ideen und Nutzungen Raum zu geben. Es ist ein öffentliches Gebäude in der Logik des öffentlichen Raums, mit all jenen Aspekten und Qualitäten ausgestattet, die öffentlichen Raum ausmachen; Aber eben auch mit aller Unterhalts- und Pflegeleistung.
Ort und Zeitpunkt für dieses Konzept sehen wir gegeben. Nie stand die Weltbevölkerung vor größeren Aufgaben, nie waren unsere westeuropäischen Städte heterogener und multikultureller in ihrer Bewohnerschaft, nie war die Demokratie und Gleichberechtigung gesetzlich besser verankert. Genau diese Kombination ist für uns der Schlüssel, den Herausforderungen positiv und gestaltend zu begegnen, wenn es uns gelingt die Potenziale der Bevölkerung im Sinne einer aktiven, produktiven und somit aus dem Stadtalltag innovativen Stadtgesellschaft zu heben.
Trendbook zum Forschungsprojekt
Entwurfsarbeiten zum Forschungsthema
Forschungsprojekt der Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Städtebau und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum, Felix Haußmann, Sabine Kastner, Matthias Krumbe, Markus Vogl
Ausstellung: Jonas Malzahn, Felix Haußmann, Matthias Krumbe, Markus Vogl
Laufzeit 2018 – 2022
Veröffentlichung Buchpublikation geplant 2022
Förderung der 1. Phase durch die IBA´27 Stuttgart, Stadt Stuttgart
Artikel: Baum, M., Vogl, M. (2020): Warum wir das Öffentliche, den öffentlichen Raum und öffentliche Gebäude in Städten brauchen, in: derivé Nr. 81, 2020
Vorträge:
Baum, M. (2019): Täglich öffentlich. Plenum #4 der IBA’27 – Internationale Bauausstellung Stuttgart 2027
Baum, M., Vogl, M. (2020): Täglich – concept for a radical public building. urbanize! Festival Wien 2020
Ausstellungen:
Ausstellung im StadtPalais, Stuttgart, 27. September bis 11.Oktober 2022
Ausstellung in der Galerie Nestel, Bad Cannstatt, 24. Juli – 29. Juli 2020
Ausstellung zum Kulturmenü, Bad Cannstatt, 20. Juli 2019
Haus der Kulturen Stuttgart
Forschungsprojekte
Das Institut für Städtebau und Entwerfen (SuE) der Universität Stuttgart unterstützt die Entwicklung des geplanten Hauses der Kulturen in Stuttgart – ein Begegnungs- und Veranstaltungsort, der den Austausch und die aktive Mitgestaltung einer internationalen Stadtgesellschaft fördern soll. Ziel ist es, einen zentralen Raum zu schaffen, der Menschen aus unterschiedlichsten sozialen, kulturellen und religiösen Kontexten zusammenführt.
Im Entwicklungsprozess bringt das Institut die Ergebnisse seiner „Täglich“-Forschung ein. Diese hatte untersucht, wie urbane Räume als Plattformen für Teilhabe und Interaktion fungieren können und wie aus passiven Konsumierenden aktive Gestaltende werden. Das Täglich bietet dabei einen konzeptionellen Vorschlag für den öffentlichen Raum als kritische Infrastruktur der Demokratie, die im Alltag nutzbar ist: Ein Ort, an dem kulturelle und soziale Vielfalt nicht nur repräsentiert, sondern gemeinsam erlebt und gestaltet wird. Diese Erkenntnisse fließen in das Konzept für das Haus der Kulturen ein, um es zu einem innovativen Ort der Teilhabe und urbanen Zusammenarbeit zu machen.
Das Konzept sieht konsumfreie Aufenthaltsbereiche, ein Bistro mit vielseitigem gastronomischem Angebot und multifunktionale Räume vor, die Platz für Mitmachaktionen wie gemeinsames Kochen, musikalische Events, Meditation oder Dialogveranstaltungen bieten. Durch diese Vielfalt an Angeboten sollen Barrieren überwunden, Vorurteile abgebaut und neue Begegnungen geschaffen werden.
Die Planung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der städtischen Abteilung Integrationspolitik, Migrantenorganisationen, Fachleuten aus Kultur und Bildung sowie zivilgesellschaftlichen Akteuren. Die breite Beteiligung stellt sicher, dass das Konzept den vielfältigen Bedürfnissen und Wünschen der Stadtgesellschaft gerecht werden soll.
Forschungsprojekt der Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Städtebau und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum, Felix Haussmann
Forschungsprojekt „Haus der Kulturen“ in Zusammenarbeit mit der Stabstelle
Integrationspolitik der LH Stuttgart
Zukunft Ortsränder
Forschungsprojekte
Qualifizierung der Ortsränder im Rahmen der Innenentwicklung
Die Studie knüpft direkt an das bereits erlangte Wissen der abgeschlossenen Studie „Nachhaltige Transformation gestalten” an: https://www.sue-uni-stuttgart.de/forschungen/baukultur-im-laendlichen-raum-in-baden-wuerttemberg/ Konkrete räumliche Potenziale, Entwicklungschancen und Umsetzungsstrategien sollen unter Einbeziehung der Akteurslandschaft im Rahmen von Pilotprojekten herausgearbeitet werden. Um die räumlichen Konfigurationen der ausgewählten Ortsränder zu verstehen, wird eine Kombination unterschiedlicher qualitativer Forschungsmethoden herangezogen. Wichtiger Bestandteil der Untersuchung ist das aktive Miteinbeziehen der Akteurslandschaft vor Ort. Durch die Planung, Durchführung und Auswertung eines partizipativen Formates können die Stimmen der Akteure eingefangen werden, die den Raum nach ihren Vorstellungen nutzen und gestalten. In Kombination mit weiteren Methoden, wie beispielsweise Leitfadeninterviews und Kartografierungen, wird eine Grundlage für das entwurfsbasierte Forschen erarbeitet. Diese Methode wird im Anschluss dazu genutzt, Zukunftsbilder für die drei Orte zu generieren. Sie sollen die Potenziale und zukünftigen Entwicklungschancen in den Ortsrändern verdeutlichen und für die Akteure eine Reflektionsebene eröffnen. Die Erkenntnisse werden anschließend zusammen mit den Akteuren evaluiert. Aus diesem gesamten Prozess lassen sich in Absprache mit dem Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz Handlungsempfehlungen ableiten, die in einem oder mehreren Reallaboren getestet werden können. Hier werden insbesondere Grundlagen und Kriterien zur Anpassung bzw. Entwicklung von Förderprogrammen und Anreizsystemen erarbeitet, welche dann landesweit ausgerollt werden können.
Forschungsprojekt der Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Städtebau und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum, Philipp Deilmann, Ann-Kathrin Ludwig
Laufzeit 2024 – 2026
Zuwendung durch das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg
Abteilung Ländlicher Raum, Geoinformation, Landentwicklung
Nachhaltige Transformation gestalten
Forschungsprojekte
Baukultur in ländlichen Räumen in Baden-Württemberg
„Eine gute, sensible und integrierte Gestaltung unseres Lebensumfelds ist ein kultureller Akt, der wirtschaftliche, soziale wie auch ökologische Nachhaltigkeit ermöglichen und fördern kann. Baukultur – gedacht und praktiziert in seinem ganzheitlichen Ansatz – ist die Basis für Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und langfristigen ökonomischen Mehrwert.“
Prof. Dr. Martina Baum
Die Studie Nachhaltige Transformation gestalten – Baukultur in ländlichen Räumen in Baden-Württemberg ordnet den Baukulturbegriff geschichtlich ein und entwickelt daraus eine neue Definition mit transformativem Potenzial, die eine zukunftsgerichtete nachhaltige Perspektive auf die ländlichen Räume in Baden-Württemberg ermöglicht. Eine qualitative Bestandsaufnahme der Baukultur zeigt sowohl die Problematik als auch die Potenziale von gegenwärtigen baukulturellen Entwicklungen, insbesondere die herausragende infrastrukturelle Lage des Landes. Die einzelnen Elemente der Baukultur – Gebäude, Kulturlandschaften und Infrastrukturen – werden dabei über Kartografien und Fotografien erfasst und ausgewertet. Darauf aufbauend wurden konkrete Ziele, Kriterien und Handlungsempfehlungen erarbeitet, die eine nachhaltige Transformation der gebauten Umwelt in den ländlichen Räumen Baden-Württembergs ermöglichen.
Das gesamte Dokument wird unter folgendem Link kostenfrei zum Download angeboten: https://elib.uni-stuttgart.de/handle/11682/13598
Forschungsprojekt der Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Städtebau und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Philipp Deilmann
Ann-Kathrin Ludwig
Richard Königsdorfer
Laufzeit 2021 – 2023
Dieses Projekt wurde durch das Ministerium für Ernährung,
Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg unterstützt.
Experimentierorte im Ländlichen Raum
Forschungsprojekte
Strategien zur Sichtbarmachung und Verortung digitalanaloger Vernetzung
Eine vitale und attraktive Gemeinde braucht eine lebendige Ortsmitte, in der Menschen wohnen und Gewerbe zu Hause ist. Das Zentrum ist ein Alltagsort welcher generationenübergreifend Begegnungsmöglichkeiten und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum bietet. Es ist das Herz des Ortes und muss nicht nur unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen und Bedarfe decken sondern auch den eigenen Charakter des Ortes spürbar machen. Die Sicherung und Rückgewinnung von Aufenthalts- und Lebensqualität, die funktionale Vielfalt sowie eine gute Erreichbarkeit sind die Grundlagen für die Vitalität des Zentrums. Impulsprojekte für die Belebung der Zentren können Antrieb für die (Re)Aktivierung des Ortes und einer gemeinsam gelebten lokalen Identität sein. Das hat positive Auswirkungen auf die Angebote der Daseinsvorsorge sowie die Entwicklung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts einer Gemeinde. Mit dem Konzept der Regional.Räume haben wir die Vision, die Ortsmitten der Gemeinden und Dörfer zu reaktivieren, Nahversorgung zu sichern und die Dorfgemeinschaft wieder neu zu entdecken.
Die Studie Experimentierorte im Ländlichen Raum – Strategien zur Sichtbarmachung und Verortung digitalanaloger Vernetzung ist Basis für die Entwicklung und Konkretisierung von Maßnahmen zur Verbesserung der Daseinsvorsorge und des sozialen Lebens im ländlichen Raum anhand eines konkreten Fallbeispiels im Rhein-Neckar-Kreis. Aus den unterschiedlichen Blickwinkeln verschiedener Disziplinen heraus und gemeinsam mit den Akteur*innen vor Ort wurde ein Konzept entwickelt, welches eine digital und räumlich vernetzte Antwort auf aktuelle Herausforderungen anbietet. Die breite Expertise der Beteiligten ist in die Ausgestaltung der Untersuchung eingeflossen.
Ein Projekt gefördert im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Lokaler Online-Marktplatz“ des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.
Visualisierung: Andreas Beulich
Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl Städtebau und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Andreas Beulich
Sebastian Klawiter
Hanna Noller
In Kooperation mit:
Rhein-Neckar-Kreis – Stabsstelle Wirtschaftsförderung
Gemeinde Schönbrunn
Gemeinde Spechbach
Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg
Metropolregion Rhein-Neckar
Grafische Gestaltung der Dokumentation: Mark Julien Hahn
Polyvalente Alltagsorte
Forschungsprojekte
Polyvalent everyday places
… have to be discovered
… are a biotope
… arise through interaction
… create a community
… are characterized by a functional non-definition
… live in the shadow
… are maverick
… tell stories about life
… need improvisation
Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Sascha Bauer
Sebastian Klawiter
Stadt/Land Perspektiven
Forschungsprojekte
Perspektiven auf und im ländlichen Raum.
Im Rahmen des Forschungsfelds „Ressource Ländlicher Raum“ beschäftigten wir uns mit den Perspektiven auf und den Potenzialen im ländlichen Raum in Baden-Württemberg. In verschiedenen Teilprojekten loteten wir die Beziehung und Wechselwirkungen zwischen Stadt und Land aus und versuchten Rollenmuster, Begabungen und Grenzen herauszuarbeiten. Hierzu war es notwendig, zu hinterfragen was hinter den Begriffen Stadt und Land steht und deutlich zu machen, dass die Definitionen je nach Perspektive des Fragenden andere sein werden.
Dieses Teilprojekt beschäftigte sich mit der Perspektive auf den ländlichen Raum und den Bildern, die darüber kommuniziert werden am Beispiel der Region Heilbronn-Franken. Vier Ortschaften wurden hierzu ausgewählt und an Hand der gleichen Methodik erfasst und bereist. Das Ziel war, durch diese experimentelle Raumwahrnehmung, die Bilder, welche über einen Ort vermittelt werden mit jenen der Realität vor Ort zu überlagern.
Trotz aller Renaissance der Städte ist der ländliche Raum in den letzten Jahren wieder verstärkt ein Sehnsuchtsort geworden. Ursprünglichkeit, Ruhe, Abgeschiedenheit, einfache Lebensweise und Ortsverbundenheit werden projektiert. Der Zeitschriftenmarkt liefert die passenden Bilder und Geschichten in immenser Auflage mit Leserschaft aus dem urbanen wie auch ruralen Kontext. Auch das regionale Marketing vermittelt idyllische Ort- und Landschaften mit unverwechselbarer Identität. Können diese Bilder in der Realität wiedergefunden werden? Welche Situation zeigt sich in den Orten räumlich, funktional wie auch atmosphärisch? Welche Typologien und Ästhetik wird produziert?
Um Antworten auf diese Fragen zu finden, begaben wir uns auf eine Expedition in den ländlichen Raum der Region Heilbronn-Franken. Für jeweils drei Tage bereisten wir die Orte Widdern, Werbach, Blaufelden und Kupferzell. Ausgewählt wurden diese aufgrund der Landschaftsbildqualität in Kombination mit der zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung.
Zunächst wurden die Bilder, welche über diese Orte im Internet kommuniziert werden gesichtet. Im Anschluss erfolgte die Bereisung mit der immer glei-chen Vorgehensweise der Erkundung vor Ort. Die Bilder der vorgefundenen Situationen wurden mittels Fotografien erfasst. Ergänzend hierzu wurden die Orte der höchsten Funktionsdichte und Kommunikationsfrequenz in jedem Ort erkundet. Die beiden Perspektiven der Außenwirkung über die Medien und der realen Raumerfahrung lieferten sehr interessante Erkenntnisse über Wunsch und Wirklichkeit im ländlichen Raum. Die idyllischen Werbebilder zeigten nur einen kleinen Ausschnitt der gebauten Realität. Vor Ort immer die gleiche Logik: verfallende Ortskerne umrahmt von immer weiter wachsen-den Einfamilienhaussiedlungen und Gewerbegebieten am Rand. Weite Teile der Ortschaften verfügen nicht mehr über unverwechselbare Ortsidentität sondern reproduzieren internationalisierte und kommerzialisierte Codes zu generischen Siedlungen: Schwedenhäuser aus rot lackiertem Holz, Villen im Toskanastil, Bauträgerhäuser mit Wärmedämmverbundsystem, kanadische Blockhausarchitektur und kubistische Gebäude in Anlehnung an die Moderne versammeln sich zu einer austauschbaren und eigenschaftslosen Kakophonie. Das Gleiche gilt für die Gewerbegebiete. Auch hier die immer gleichen Architekturen der Handelsketten und Gewerbebauten umrahmt von großen Parkplätzen und aufmerksamkeitsheischenden Werbeschildern. Ist man auf dem Land oder in der Stadt, in Kupferzell oder Stuttgart – nicht nachvollziehbar.
Regionale Bautradition und Bauweisen lassen sich nur noch in den Kernen finden, weiterentwickelt und in die Zukunft gebracht wurden sie nicht. Eine urbanisierte Gesellschaft produziert hier hingegen ein ortsunabhängiges, generisches Lebensumfeld. Highspeed Internet, die Medien und Konsum-konzerne bringen die Welt nach Werbach. Stadt oder Land, der Kontext wird zur Kulisse. Orte der Gemeinschaft sind nicht mehr der Dorfplatz und der Dorfbäcker sondern die Autobahnraststätte an der A6 und der Großbäcker im Supermarkt mit Bestuhlung auf dem Parkplatz.
Es stellte sich deshalb die Frage, wie mit dieser Diskrepanz von Wunsch und Wirklichkeit umgegangen werden kann. Ist der idyllische ländliche Raum mit seinen zugeschriebenen Potenzialen und Werten ein längst vergangenes Wunschbild und wird somit zum Mythos? Reicht die mediale Reproduktion davon durch Bilder um die Bedürfnisse zu befriedigen und braucht es gar keine bauliche Entsprechung mehr? Diese Fragen müssen diskutiert werden. Handlungsbedarf zeigt sich im Umgang mit den Ortszentren. Sie sind die Verlierer dieser Entwicklung. Gering genutzte oder leerstehende Wohngebäude, aufgelassene Hofstellen und geschlossene Ladengeschäfte prägen das Bild. Welche Rolle haben sie in Zukunft? Wer möchte hier wie leben und arbeiten? Braucht es die alten Gebäude noch oder braucht es einen radikalen Neuanfang? Werden sie zu Kulissen und musealisiert oder können sie weiterhin aktiver Teil des Alltags sein? Auch diese Fragen bedürfen einer offenen Diskussion, die wir gerne anstoßen wollten.
Forschungsprojekt der Universität Stuttgart
SI Städtebau-Institut
Lehrstuhl für Städtebau und Entwerfen
Prof. Dr. Martina Baum
Hanna Noller
Sebastian Klawiter