Zukunft Ortsränder

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Die Studie „Zukunft Ortsränder – Visionen für die ländlichen Räume Baden-Württembergs“ ist das Folgeprojekt der 2023 abgeschlossenen Publikation „Nachhaltige Transformation gestalten – Baukultur in ländlichen Räumen in Baden-Württemberg“. Sie widmet sich den dort herausgearbeiteten Problemstellungen näher und identifiziert weitere. Anhand der gebauten Realität lassen sich die miteinander verworrenen und komplexen Zusammenhänge unterschiedlicher Themenbereiche deutlich ablesen. Mit Fokus auf die ländlichen Räume Baden-Württembergs sind hier insbesondere zu nennen die anhaltende Flächeninanspruchnahme für monofunktionale Bautätigkeiten mit geringer Dichte und der damit einhergehende Verlust landwirtschaftlicher Flächen sowie die aktuell schwierige Haushaltslage der Kommunen. Beide Punkte können als Hindernisse zum Erreichen von Nachhaltigkeitszielen unterschiedlicher Planungsebenen und zur Schaffung resilienter, zukunftsfähiger Räume angesehen werden und hängen eng mit dem Thema der kommunalen Planungshoheit zusammen. Es sind die Kommunen, die schließlich mit Zielkonflikten im Rahmen von EU-, Bundes- und Landesvorgaben vor Ort umgehen müssen. Sobald das Ziel eines sparsamen Umgangs mit der Ressource Boden jedoch ernst genommen wird, kommt den bestehenden ungenutzten Potenzialen und Gebieten geringer Dichte eine neue wesentliche Bedeutung zu. Als diese Gebiete wurden die Ortsränder identifiziert, die die gesamte Siedlungsfläche der Gemeinde abzüglich des Ortskerns darstellen.

 

Die ländlichen Räume können anknüpfen an Entwicklungen, die historisch bedingt in ihren Ortskernen schon immer zu finden sind, sowie an die aktuellen wissenschaftlich und gesellschaftlich intensiv bearbeiteten Themen des Um- und Weiterbauens. Vor diesem Hintergrund wird in dieser Studie die Frage gestellt, welche Chancen die

Ortsränder für die zukünftige Weiterentwicklung der Innenentwicklung in den ländlichen Räumen bieten. Den Ansatz der vorherigen Studie weiterführend, werden auch in dieser Studie visuelle und qualitative Forschungsansätze miteinander verknüpft. Ein wichtiger Leitgedanke der ersten Studie stellte dar, dass Baukultur „visuell sichtbar und räumlich erlebbar“ ist. Bei der Betrachtung der vorhandenen Baukultur und der Auseinandersetzung mit ihren zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten schien deshalb auch im weiteren Vorgehen nur eine qualitative Beforschung der räumlichen Dimension in unterschiedlichen Maßstabsebenen, kombiniert mit sozialwissenschaftlichen Methoden angemessen. Eine integrierte Perspektive auf die Bereiche Architektur, Infrastruktur und Kulturlandschaft ist essenziell, um alle baukulturellen Phänomene betrachten zu können. Baukultur wird in Fortführung der ersten Studie auch hier verstanden als „die Gesamtheit der uns umgebenden, vom Menschen gestalteten Umwelt“. Es ist zu beobachten, dass viele wichtige Einzelthematiken, die im Laufe der Studie relevant wurden, aktuell sehr gut erforscht werden. Dies betrifft zum Beispiel die Bereiche Planungsrecht, Dichtevorgaben, Flächenbedarfsermittlung und -monitoring oder Aufstockung und Umbau. Der Ansatz dieser Studie ist, diese verschiedenen Themen vor dem Hintergrund der Ortsränder der ländlichen Räume Baden-Württembergs durch eine transdisziplinäre generalistische Betrachtung zusammenzubringen.

 

Um sich der übergeordneten Forschungsfrage zu nähern, bauen unterschiedliche Forschungsschritte aufeinander auf. Für ein besseres Verständnis darüber, welche räumlichen

Potenziale und Entwicklungschancen, Hindernisse und Schwierigkeiten sowie räumlichen Besonderheiten und Phänomene die jeweiligen Ortsränder prägen, wurden Ortsbegehungen durchgeführt und die Ortsränder fotografisch festgehalten. Außerdem wurden Interviews mit einer Bürgermeisterin und fünf Bürgermeistern geführt, um lokale Bedingungen besser zu verstehen und Karten hinsichtlich historischer Entwicklung, lokalspezifischer Lage und kommunaler Planung analysiert. Anschließend wurden aus den gesammelten Erkenntnissen die wirkungsmächtigsten Stellschrauben identifiziert und in einem strategischen Gesamtkonzept als Handlungsempfehlungen ausgearbeitet. Diese wurden zusammen anhand von Visionen, die durch die Empfehlungen räumlich entstehen könnten, mit Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachbereiche diskutiert. Das entwickelte strategische Gesamtkonzept besteht aus dem Vorschlag eines neuen Planungsinstruments auf regionaler und kommunaler Ebene mit weitreichenden Folgen für zukünftige Planungsvorhaben, aus konkreten Anpassungsvorschlägen des rechtlichen Rahmens, als auch aus Vorschlägen zu Anpassungen der Förderlandschaft, die öffentliche und private Akteure bei den bevorstehenden Veränderungen bestmöglich unterstützt.

Herausgeberin

 

Prof. Dr. Martina Baum

Professur für Städtebau und Entwerfen

Städtebau-Institut

Universität Stuttgart

 

Forschungsteam

 

Ann-Kathrin Ludwig

Philipp Deilmann

Martina Baum

 

Grafik

Sebastian Heß

 

Studentische Assistenz

Isabel Erb

Marilena Heudis

 

Lektorat

Dr. Ilka Backmeister

kultur&kontext

 

Diese Studie entstand im Rahmen einer Projektförderung des Ministeriums für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg (MLR). Die wissenschaftliche Verantwortung für die Inhalte der Studie liegt bei der Herausgeberin. Die Inhalte sind nicht als Position des MLR zu verstehen.